B2 · Grammatik
Alternativen zum Passiv
Nach dieser Seite können Sie ein Passiv mit können, müssen oder nicht dürfen anders ausdrücken – mit sich lassen, sein + zu + Infinitiv und Adjektiven auf -bar, -lich oder -abel, auch in anderen Zeiten.
Regeln
1.
sich lassen + Infinitiv: Es ist möglich
- Die Rückenlehne lässt sich in vier Stufen verstellen.
- Der Termin beim Hautarzt lässt sich leider nicht verschieben.
- Mit dieser App lassen sich alle Belege in Sekunden scannen.
- Das Fenster im Bad lässt sich nicht richtig schließen.
- Ob sich die alten Familienfotos noch retten lassen, weiß ich nicht.
- Der Rechnungsbetrag lässt sich auch in drei Raten bezahlen.
sich lassen + Infinitiv hat dieselbe Bedeutung wie kann … werden oder aktiv man kann …: Der Termin lässt sich verschieben. = Der Termin kann verschoben werden. = Man kann den Termin verschieben. Subjekt ist die Sache, mit der etwas gemacht wird; lassen richtet sich nach ihr. lassen steht auf Position 2, der Infinitiv ohne zu am Ende. Im Nebensatz steht lassen ganz am Ende, sich meist früh. Mit nicht heißt es: kann nicht … werden.
Möglichkeit – oder Auftrag?
- Das Fenster lässt sich leicht öffnen. = Man kann es leicht öffnen.
- Wir lassen das Fenster reparieren. = Wir beauftragen jemanden. (ohne sich, keine Passiv-Alternative)
- Nebensatz: …, ob sich das Fenster öffnen lässt.
- falsch: Das Fenster lässt sich zu öffnen. · Das Fenster lässt sich geöffnet.
sich lassen + Infinitiv (ohne zu) = kann … werden: Der Termin lässt sich verschieben.
Ohne sich ist lassen ein Auftrag: Ich lasse das Auto reparieren.
2.
sein + zu + Infinitiv: können, müssen oder nicht dürfen
- Der Antrag ist bis zum 30. Juni einzureichen. (= muss eingereicht werden)
- Bei der Anmeldung sind der Pass und der Mietvertrag vorzulegen. (= müssen vorgelegt werden)
- Der Aufzug ist im Brandfall nicht zu benutzen. (= darf nicht benutzt werden)
- So viel Arbeit ist bis Freitag kaum zu schaffen. (= kann kaum geschafft werden)
- Die Durchsage am Bahnsteig ist wegen des Lärms nicht zu verstehen. (= kann nicht verstanden werden)
- Von hier aus ist der Bahnhof in zehn Minuten zu erreichen. (= kann erreicht werden)
Auch sein + zu + Infinitiv ersetzt ein Passiv mit Modalverb. Welches Modalverb gemeint ist, zeigt nur der Kontext: In Regeln, Anweisungen und Behördenbriefen heißt es meist muss (oder soll), mit nicht dort meist darf nicht. In Beschreibungen, oft mit leicht, gut, schwer, kaum oder nicht, heißt es kann. Bei trennbaren Verben steht zu zwischen Präfix und Verb und wird zusammengeschrieben: einzureichen, vorzulegen.
Welches Modalverb ist gemeint?
- Regel, Anweisung → muss / soll: Der Ausweis ist mitzubringen.
- Regel mit nicht → darf nicht: Das Gerät ist nicht in der Nähe von Wasser zu benutzen.
- Beschreibung, oft mit leicht, gut, kaum → kann: Der Fleck ist leicht zu entfernen.
- trennbar: vorlegen → vorzulegen · mitbringen → mitzubringen · untrennbar: zu bezahlen
sein + zu + Infinitiv = Passiv mit können, müssen/sollen oder nicht dürfen – der Kontext entscheidet.
Trennbare Verben: zu in der Mitte, alles in einem Wort – abzuholen, einzureichen.
3.
Adjektive auf -bar: waschbar, machbar, unbezahlbar
- Die Jacke ist bei 40 Grad waschbar. (= kann gewaschen werden)
- Ihr Plan ist ehrgeizig, aber machbar.
- Ich bin morgen nur per E-Mail erreichbar.
- Der Akku in diesem Handy ist leider nicht austauschbar.
- Wohnungen in der Innenstadt sind für viele Familien unbezahlbar.
- Der Internetvertrag ist monatlich kündbar. (kündigen)
- Vom Balkon aus ist der Dom gut sichtbar. (sehen)
Ein Adjektiv auf -bar nach sein bedeutet meist kann … werden: Die Jacke ist waschbar. = Sie kann gewaschen werden. -bar ist die häufigste Endung dieser Art und kommt meist an den Verbstamm: waschen → waschbar. Verben auf -igen verlieren die ganze Endung: kündigen → kündbar. Manchmal hilft eine andere Verbform: sehen → sichtbar. Für kann nicht steht un- davor: unbezahlbar. Vorsicht: dankbar oder wunderbar haben keine Passivbedeutung.
So entsteht das Adjektiv
- waschen → wasch- → waschbar · machen → machbar
- trennbar: erreichen → erreichbar · nachvollziehen → nachvollziehbar
- -igen fällt weg: kündigen → kündbar
- kann nicht: unbezahlbar · unvermeidbar · unlesbar
sein + Verbstamm + -bar = kann … werden: Der Akku ist austauschbar.
un- + -bar = kann nicht … werden: Die Miete ist unbezahlbar.
4.
Adjektive auf -abel und -lich
- Das Angebot des Vermieters ist durchaus akzeptabel. (akzeptieren)
- Die Waschmaschine ist noch reparabel – ein neuer Motor reicht. (reparieren)
- Der Lautsprecher ist klein und leicht transportabel. (transportieren)
- Ihre Erklärung war klar und gut verständlich. (verstehen)
- Die Hitze im Büro ist kaum noch erträglich. (ertragen)
- Das Mittel ist ohne Rezept in jeder Apotheke erhältlich. (erhalten)
-abel gibt es nur bei einigen Verben auf -ieren: akzeptieren → akzeptabel. Viele andere bilden -ierbar (finanzierbar), manchmal gibt es beides (reparabel / reparierbar). Mit Endung fällt das e weg: ein akzeptables Angebot. -lich kommt von unterschiedlichen Verbformen, oft mit Umlaut: verstehen → verständlich. Gibt es zwei Adjektive zu einem Verb, kann die Bedeutung verschieden sein: Eine Datei ist lesbar, eine Handschrift leserlich (man kann die Buchstaben erkennen).
Drei Endungen im Überblick
- -abel (nur einige -ieren-Verben): akzeptieren → akzeptabel · reparabel · transportabel · variabel
- sonst -ierbar: finanzierbar · realisierbar · kombinierbar
- -lich (oft mit Umlaut): verständlich · käuflich · erträglich · erhältlich
- zwei Adjektive, zwei Bedeutungen: lesbar ↔ leserlich · ersetzbar ↔ unersetzlich (sehr wertvoll)
-abel nur bei einigen Verben auf -ieren: akzeptabel – mit Endung ohne e: ein akzeptables Angebot.
-lich oft mit Umlaut: verständlich, erträglich. Welche Endung ein Verb nimmt, lernen Sie am besten mit dem Wort.
5.
Durch die Zeiten – auch im Konjunktiv II
- Der Wasserschaden ließ sich zum Glück schnell reparieren. (Präteritum)
- Die Lieferung hat sich leider nicht beschleunigen lassen. (Perfekt)
- Die Unterlagen waren bis Ende Mai einzureichen. (Präteritum)
- Die neue Software wird sich wohl erst im Herbst installieren lassen. (Futur)
- Mit mehr Personal wäre das Projekt leichter zu schaffen. (Konjunktiv II)
- Mit einem Ersatzteil hätte sich das Gerät noch retten lassen. (Konjunktiv II der Vergangenheit)
- Der Unfall wäre mit mehr Abstand vermeidbar gewesen. (Konjunktiv II der Vergangenheit)
Bei sich lassen wird lassen konjugiert: ließ sich, wird sich … lassen, ließe sich oder würde sich … lassen. Im Perfekt und im Konjunktiv II der Vergangenheit steht kein Partizip, sondern der Infinitiv lassen: hat sich … beschleunigen lassen, hätte sich … retten lassen – wie bei den Modalverben. Bei sein + zu und bei den Adjektiven wird nur sein konjugiert: war zu …, ist zu … gewesen, wird zu … sein, wäre zu …, wäre … gewesen.
Ein Satz durch die Zeiten
- Präteritum: Der Fehler ließ sich beheben. · Der Fehler war zu beheben.
- Perfekt: Der Fehler hat sich beheben lassen. · Der Fehler ist zu beheben gewesen.
- Futur: Der Fehler wird sich beheben lassen. · Der Fehler wird zu beheben sein.
- Konjunktiv II: Der Fehler ließe sich beheben / würde sich beheben lassen. · Der Fehler wäre zu beheben.
- Konjunktiv II der Vergangenheit: Der Fehler hätte sich beheben lassen. · Der Fehler wäre zu beheben gewesen.
- Zum Erkennen, indirekte Rede (Konjunktiv I): Der Fehler lasse sich beheben. · Der Fehler sei zu beheben.
sich lassen im Perfekt: zwei Infinitive – hat sich reparieren lassen, nie gelassen.
sein + zu und Adjektive: Nur sein ändert sich – war zu schaffen, wäre machbar gewesen.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.