B2 · Grammatik
Gebrauch von Zeiten der Vergangenheit
Nach dieser Seite können Sie für Gespräch und Bericht die passende Vergangenheitszeit wählen und mit nachdem und dem Plusquamperfekt sagen, was vorher passiert war.
Regeln
1.
Im Gespräch und in persönlichen Nachrichten: Perfekt
- Stell dir vor, ich habe im Zug meine Geldbörse verloren!
- Wir sind am Wochenende mit den Kindern an den See gefahren.
- Hast du die Rechnung vom Elektriker schon bezahlt?
- Liebe Oma, vielen Dank für das Paket! Die Kinder haben sich riesig gefreut.
- Notiz für Frau Brandt: Herr Nowak hat heute Morgen angerufen – er kommt erst am Donnerstag.
- Ich habe gestern Abend noch die Folien für die Präsentation vorbereitet.
Wenn man mündlich von Vergangenem erzählt, benutzt man meistens das Perfekt: im Gespräch, am Telefon, in Sprachnachrichten. Auch Chats, persönliche E-Mails, Briefe und kurze Notizen schreibt man so, wie man spricht – also im Perfekt. Das gilt für fast alle Verben, regelmäßige und unregelmäßige, mit haben und mit sein. Ein Präteritum wie Wir fuhren an den See. klingt in einer Nachricht an Freunde fremd – fast wie aus einem Roman.
Hier ist das Perfekt typisch
- Gespräch, Telefonat, Sprachnachricht
- Chat, SMS, persönliche E-Mail
- Brief oder Karte an Freunde und Familie
- kurze Notiz für Kolleginnen und Kollegen
Mündlich und in persönlichen Texten erzählt man Vergangenes meist im Perfekt: Ich habe …, wir sind …
Faustregel: Wie würden Sie es einer Freundin am Telefon sagen? So schreiben Sie es auch im Chat.
2.
In Berichten und Erzählungen: Präteritum
- Die Feuerwehr rückte kurz nach Mitternacht aus und löschte den Brand innerhalb einer Stunde. (Zeitungsmeldung)
- Nach dem Abitur studierte Amira Haddad Architektur in Weimar und arbeitete danach zwei Jahre in Lissabon. (Porträt)
- Der Fahrer verlor auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle und prallte gegen einen Baum. (Polizeibericht)
- Es war schon dunkel, als Jonas endlich das Dorf erreichte. (Roman)
- Im Jahr 1889 eröffnete die Stadt ihre erste Straßenbahnlinie. (Stadtchronik)
- Die Teilnehmenden diskutierten zwei Stunden lang und einigten sich schließlich auf einen Kompromiss. (Sitzungsbericht)
In geschriebenen Texten, die von Vergangenem erzählen oder berichten, steht meist das Präteritum: in Zeitungsartikeln und Nachrichten, in Berichten, Biografien und Chroniken, in Romanen und Märchen. Das Präteritum ist kürzer als das Perfekt – oft nur ein Wort – und hält eine Erzählung im Fluss. Wichtig: Bleiben Sie in einem Text bei einer Zeit und wechseln Sie nicht ohne Grund zwischen Präteritum und Perfekt.
Gut zu wissen
- Zeitungsmeldung: Der erste Satz steht oft im Perfekt, die Einzelheiten danach im Präteritum: In der Altstadt hat es in der Nacht gebrannt. Das Feuer brach gegen zwei Uhr im Keller aus.
- Dieselbe Sache, zwei Situationen: Wir haben den Vertrag gestern unterschrieben. (Gespräch) – Beide Seiten unterzeichneten den Vertrag am Dienstag. (Bericht)
In Berichten, Nachrichten, Biografien und Erzählungen steht Vergangenes meist im Präteritum: Sie studierte …, er verlor …
Bleiben Sie in einem Text bei einer Zeit – kein Wechsel ohne Grund.
3.
Auch im Gespräch: war, hatte, musste, es gab …
- Ich war gestern beim Zahnarzt und habe eine neue Füllung bekommen.
- Sorry, ich konnte nicht früher anrufen – ich musste noch einen Bericht fertig schreiben.
- Wir wollten eigentlich am Samstag umziehen, aber es gab keinen freien Transporter mehr.
- Hattest du am Wochenende Besuch?
- Ich dachte, das Meeting fängt erst um zehn an.
- Das wusste ich nicht – danke für den Hinweis!
- Wie fandest du das Konzert? – Super, wir haben bis Mitternacht getanzt.
Manche Verben stehen auch im Gespräch normalerweise im Präteritum: sein und haben, außerdem werden sowie alle Modalverben (konnte, musste, wollte, durfte, sollte). Auch ein paar sehr häufige Verben hört man oft im Präteritum, zum Beispiel es gab, es ging, ich dachte, ich wusste, ich fand. Beim Erzählen mischt man deshalb: Ich war beim Zahnarzt und habe eine Füllung bekommen. Das Perfekt dieser Verben ist nicht falsch, aber das Präteritum ist kürzer und üblicher – besonders bei den Modalverben.
Regional verschieden
- Im Norden Deutschlands hört man das Präteritum im Gespräch etwas häufiger, auch bei anderen Verben: Dann kam er rein.
- Im Süden – in Bayern, Österreich und der Schweiz – erzählt man mündlich fast alles im Perfekt; oft hört man sogar ich bin gewesen statt ich war.
- Für Sie: Mit Perfekt + war, hatte und Modalverben im Präteritum liegen Sie überall richtig.
Auch im Gespräch meist Präteritum: war, hatte, wurde, die Modalverben und häufige Verben wie es gab, ich dachte, ich wusste.
Typisch gemischt: Ich war krank und habe den ganzen Tag geschlafen.
4.
Plusquamperfekt: was vorher schon passiert war
- Als Frau Petrović ins Büro kam, hatte die Besprechung schon angefangen.
- Wir wollten die Wohnung besichtigen, aber der Vermieter hatte sie schon vermietet.
- Tarek war todmüde, denn er hatte die ganze Nacht für die Prüfung gelernt.
- Ich erkannte die Stadt kaum wieder – ich war zwanzig Jahre nicht mehr dort gewesen.
- Als die Polizei eintraf, waren die Täter längst verschwunden.
- Die Ärztin fragte, ob ich das Medikament schon einmal genommen hatte.
Mit dem Plusquamperfekt geht man in der Vergangenheit noch einen Schritt zurück: Es zeigt, dass etwas vor einem anderen vergangenen Ereignis schon passiert oder abgeschlossen war. Die Form: hatte oder war + Partizip II – war, wenn das Verb sein Perfekt mit sein bildet (sie ist gegangen → sie war gegangen). Das Plusquamperfekt steht deshalb nie allein: Es braucht immer einen zweiten, späteren Zeitpunkt in der Vergangenheit (Als sie ins Büro kam, …).
Zwei Zeitpunkte in der Vergangenheit
- früher: Die Besprechung beginnt um neun. · später: Frau Petrović kommt um halb zehn.
- zusammen: Als Frau Petrović kam, hatte die Besprechung schon begonnen.
- ohne späteren Zeitpunkt kein Plusquamperfekt: Was hast du am Sonntag gemacht? – Ich habe meine Eltern besucht. (nicht: Ich hatte meine Eltern besucht.)
Plusquamperfekt = hatte/war + Partizip II: für das, was vor einem anderen vergangenen Ereignis schon passiert war.
Es steht nie allein. Ohne zweiten Zeitpunkt in der Vergangenheit nehmen Sie Perfekt oder Präteritum.
5.
nachdem und bevor: welche Zeit wohin?
- Nachdem Ines den Mietvertrag unterschrieben hatte, kündigte sie ihre alte Wohnung.
- Nachdem wir eine Stunde einen Parkplatz gesucht hatten, haben wir das Auto in die Tiefgarage gestellt.
- Nachdem der Techniker gegangen war, funktionierte das Internet wieder nicht.
- Bevor Olga nach Hamburg zog, hatte sie drei Jahre als Ärztin in Porto gearbeitet.
- Bevor wir den Kaufvertrag unterschrieben haben, haben wir ihn genau gelesen.
- Nachdem ich die Kinder zur Kita gebracht habe, fahre ich jeden Morgen ins Büro.
Bei nachdem ist die Zeitenfolge fest: Im nachdem-Satz steht das frühere Ereignis im Plusquamperfekt, im Hauptsatz das spätere im Präteritum oder Perfekt. Bei bevor ist es umgekehrt: Der bevor-Satz nennt das spätere Ereignis. Das frühere im Hauptsatz kann im Plusquamperfekt stehen. Weil bevor die Reihenfolge aber schon klar macht, genügt besonders im Gespräch auch das Perfekt oder Präteritum. Für Gewohnheiten in der Gegenwart gilt: nachdem + Perfekt, Hauptsatz im Präsens.
Zeitenfolge auf einen Blick
- nachdem + Plusquamperfekt → Hauptsatz Präteritum oder Perfekt: Nachdem die Gäste gegangen waren, räumten wir auf.
- bevor + späteres Ereignis → Hauptsatz: früheres Ereignis, Plusquamperfekt möglich: Bevor wir einzogen, hatten wir die Wände gestrichen.
- Gewohnheit heute: nachdem + Perfekt → Hauptsatz Präsens: Nachdem ich gefrühstückt habe, lese ich die Zeitung.
nachdem + Plusquamperfekt, Hauptsatz Präteritum oder Perfekt: Nachdem sie angerufen hatte, fuhr ich los.
bevor + späteres Ereignis. Das frühere steht im Hauptsatz – im Plusquamperfekt oder einfach im Perfekt/Präteritum.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.