B2 · Grammatik
Indirekte Rede und Konjunktiv 1
Nach dieser Seite können Sie Aussagen und Fragen anderer Personen in der indirekten Rede wiedergeben – mit Konjunktiv I oder, wenn nötig, mit der Ersatzform im Konjunktiv II.
Regeln
1.
Wozu Konjunktiv I? Fremde Aussagen neutral wiedergeben
- Die Polizei teilte mit, die Autobahn sei ab 18 Uhr wieder frei.
- Der Wetterdienst meldet, am Wochenende werde es deutlich kühler.
- Die Trainerin erklärte, die Mannschaft brauche noch etwas Zeit.
- Das Möbelhaus betont, das Angebot gelte nur bis Freitag.
- Der Vermieter behauptet, die Reparatur koste mehr als 2000 Euro.
- Im Gespräch: Mein Kollege hat gesagt, er kommt heute später. (Indikativ)
Wenn Sie die Worte eines anderen Menschen weitergeben, können Sie die Aussage in den Konjunktiv I setzen. So ist klar: Das ist nicht meine eigene Aussage, sondern die der Polizei, der Trainerin, des Vermieters. Der Konjunktiv I klingt neutral und distanziert. Deshalb steht er vor allem in Zeitungen, Nachrichten, Berichten und Protokollen. Nach laut und zufolge ist er nicht nötig, denn die Präposition nennt die Quelle schon (siehe „Präpositionen der Redewiedergabe und Referenz“).
Verben, die indirekte Rede einleiten
- neutral: sagen, erklären, mitteilen, berichten, meinen
- mit Nachdruck: betonen, behaupten, versichern
- Frage: fragen, wissen wollen
- Im Gespräch benutzen viele Menschen den Indikativ oder würde + Infinitiv: Sie hat gesagt, sie kommt später. Das ist im Alltag ganz normal.
Konjunktiv I = indirekte Rede: Man gibt eine fremde Aussage neutral wieder – typisch für Nachrichten und Berichte.
Der Konjunktiv I sagt nicht, dass etwas falsch ist. Er zeigt nur: Das hat eine andere Person gesagt.
2.
Die Form: Infinitivstamm + -e (er habe, er komme, er könne)
- Der Techniker sagt, er komme gegen zehn Uhr.
- Frau Adeyemi erklärt, sie habe am Freitag keine Zeit.
- Der Hotelmanager versichert, das Zimmer sei ruhig und hell.
- Die Ärztin meint, Herr Kaya dürfe wieder Sport machen.
- Mein Nachbar erzählt, er fahre im Sommer mit dem Rad nach Wien.
- Die Messe teilt mit, der Eingang Nord werde erst um elf Uhr geöffnet.
Den Konjunktiv I bildet man aus dem Infinitivstamm und der Endung -e: komm-en → er komme, könn-en → er könne, hab-en → er habe. Weil der Stamm aus dem Infinitiv kommt, gibt es keinen Vokalwechsel wie im Präsens: er fährt → er fahre, er nimmt → er nehme, er weiß → er wisse. Auch werden funktioniert so: er werde – im Futur (er werde … kommen) und im Passiv (er werde … geöffnet). Nur sein hat eigene Formen. In Berichten brauchen Sie fast immer die 3. Person Singular.
Indikativ → Konjunktiv I (er, sie, es)
- er hat → er habe · er ist → er sei · er wird → er werde
- er kann → er könne · er muss → er müsse · er will → er wolle
- er fährt → er fahre · es gibt → es gebe · er weiß → er wisse
- sein ist in allen Personen eindeutig: sei (ich, er, sie, es) · seien (wir, sie, Sie)
Konjunktiv I = Infinitivstamm + -e: er komme, er habe, er könne, er werde – ohne Vokalwechsel (er fahre, nicht er fähre).
sein ist besonders: er sei, sie seien – ohne -e am Ende (nicht er seie).
3.
Wie im Indikativ? Dann Konjunktiv II als Ersatz
- Die Mieter sagen, sie hätten seit Tagen kein warmes Wasser. (sie haben = Indikativ)
- Ich habe der Chefin gesagt, ich hätte morgen einen Arzttermin. (ich habe)
- Die Studierenden berichten, sie könnten die Prüfung auch online schreiben. (sie können)
- Herr Lindgren erzählt, seine Kinder kämen am Wochenende zu Besuch. (sie kommen)
- Die Eltern berichten, ihre Kinder würden jeden Abend Vokabeln lernen. (sie lernen – lernten)
- Die Verkäuferin antwortete, die Schuhe seien leider ausverkauft. (kein Ersatz nötig)
Bei vielen Personen sieht der Konjunktiv I genauso aus wie der Indikativ: ich habe, wir kommen, sie können. Dann merkt niemand, dass Sie zitieren. Deshalb nimmt man hier den Konjunktiv II als Ersatz: ich hätte, wir kämen, sie könnten. Bei regelmäßigen Verben gleicht auch der Konjunktiv II dem Präteritum (sie lernten) – dann nimmt man würde + Infinitiv. Für du und ihr nimmt man heute ebenfalls den Konjunktiv II. Wie man ihn bildet, zeigt das Thema „Konjunktiv 2 der Gegenwart: Formen“.
Konjunktiv I oder Ersatzform?
- ich habe → ich hätte · ich komme → ich käme / ich würde kommen
- wir/sie haben → hätten · wir/sie können → könnten · wir/sie werden → würden
- sie lernen → (lernten = Präteritum) → sie würden lernen
- kein Ersatz nötig: er habe · ich müsse · ich wisse · ich sei · sie seien
Konjunktiv I = Indikativ? Dann Konjunktiv II: sie haben → sie hätten. Ist auch der nicht eindeutig: würde + Infinitiv.
Die 3. Person Singular und alle Formen von sein brauchen keinen Ersatz: er habe, sie seien.
4.
Wer spricht? Pronomen, Zeit und Ort anpassen
- Jonas sagt: „Ich bringe meinen Laptop mit.“ → Jonas sagt, er bringe seinen Laptop mit.
- Die Eltern erzählen: „Unser Sohn studiert in Graz.“ → Die Eltern erzählen, ihr Sohn studiere in Graz.
- Die Kundin fragt mich: „Können Sie mir helfen?“ → Die Kundin fragt mich, ob ich ihr helfen könne.
- Am Montag sagte der Maler: „Ich komme morgen.“ → Er sagte, er komme am nächsten Tag.
- Aus Lissabon schrieb Lea: „Hier ist es heiß.“ → Lea schrieb, dort sei es heiß.
In der indirekten Rede spricht nicht mehr die Person selbst – Sie berichten über sie. Deshalb ändern sich Pronomen und Possessivartikel: ich → er/sie, mein → sein/ihr, wir → sie. Sind Sie selbst gemeint, wird aus Sie ein ich. Berichten Sie später oder an einem anderen Ort, passen Sie auch Zeit- und Ortsangaben an: morgen → am nächsten Tag, hier → dort. Fragen Sie sich immer: Wer spricht – und über wen?
Was sich oft ändert
- ich → er / sie · mein → sein / ihr · wir → sie · unser → ihr
- Sie (ich bin gemeint) → ich · Ihnen → mir
- heute → an diesem Tag · morgen → am nächsten Tag · gestern → am Tag davor
- hier → dort · jetzt → zu diesem Zeitpunkt
Prüfen Sie Pronomen und Possessivartikel: „Ich nehme mein Rad.“ → Er sagt, er nehme sein Rad.
Zeit und Ort ändern Sie nur, wenn Sie später oder an einem anderen Ort berichten.
5.
Mit oder ohne dass – Fragen mit ob oder W-Wort
- Die Bahn meldet, die Strecke sei wieder frei.
- Die Bahn meldet, dass die Strecke wieder frei sei.
- Der Reporter fragte, wann die neue Brücke fertig sei.
- Die Kundin wollte wissen, wie lange die Reparatur dauere.
- Ein Gast fragte, ob es im Hotel einen Fitnessraum gebe.
- Herr Ito fragt, ob er den Termin verschieben könne.
Die indirekte Rede kann ohne dass stehen. Dann hat sie die Wortstellung eines Hauptsatzes: Das Verb steht an Position 2 (…, die Strecke sei wieder frei). Mit dass ist sie ein Nebensatz, und das Verb steht am Ende. Beides ist korrekt; in Nachrichten liest man oft die Variante ohne dass. Fragen gibt man immer als Nebensatz wieder: W-Fragen mit dem W-Wort (wann, wie, warum …), Ja/Nein-Fragen mit ob. Das Verb steht am Ende, das Fragezeichen fällt weg.
| Einleitung + Konnektor | Subjekt | Mittelfeld | Verb am Ende |
|---|---|---|---|
| Die Bahn meldet, dass | die Strecke | wieder frei | sei. |
| Der Reporter fragte, wann | die neue Brücke | fertig | sei. |
| Herr Ito fragt, ob | er | den Termin | verschieben könne. |
Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb
Ohne dass: Verb an Position 2. Mit dass: Verb am Ende.
Fragen: ob (Ja/Nein-Frage) oder W-Wort, Verb am Ende, kein Fragezeichen: Sie fragt, ob der Bus noch fahre.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.