B2 · Grammatik
Modalverben in der Grundbedeutung
Nach dieser Seite können Sie für Pflicht, Auftrag, Fähigkeit, Erlaubnis, Plan und Wunsch das passende Modalverb wählen, „nicht nötig“ (nicht müssen, nicht brauchen … zu) von „verboten“ (nicht dürfen) unterscheiden und mit sollte, müsste und könnte Rat geben und Möglichkeiten nennen.
Regeln
1.
Nötig oder gewünscht? müssen und sollen
- Mein Reisepass läuft im März ab – ich muss einen neuen beantragen.
- Wer umzieht, muss sich innerhalb von zwei Wochen beim Bürgeramt ummelden.
- Die Teamleiterin hat angerufen: Ich soll die Präsentation bis Mittwoch fertig machen.
- Herr Okafor, Sie sollen bitte Ihre Frau zurückrufen – es ist dringend.
- Soll ich Ihnen das Formular per E-Mail schicken?
- Mieter haben Schäden in der Wohnung sofort der Hausverwaltung zu melden.
Beide Verben sagen: Etwas ist zu tun. Der Unterschied ist die Quelle. müssen: Die Situation, ein Gesetz oder Ihre eigene Einsicht macht es nötig. sollen: Eine andere Person will es – die Chefin, der Arzt, ein Freund. Darum steht sollen, wenn Sie einen Auftrag weitergeben (Sie sollen … zurückrufen.) oder fragen, was die andere Person möchte (Soll ich …?). In Vorschriften und Amtstexten steht statt müssen oft haben … zu + Infinitiv. Das klingt formell und streng.
Wer will es?
- müssen – die Situation, eine Regel oder ich selbst: Der Akku ist fast leer, ich muss das Handy laden.
- sollen – eine andere Person: Mein Physiotherapeut sagt, ich soll jeden Morgen ein paar Übungen machen.
- Soll ich …? – Sie fragen nach dem Wunsch der anderen Person: Soll ich das Licht ausmachen?
- haben … zu + Infinitiv – formell, in Vorschriften: Besucher haben sich am Empfang anzumelden.
müssen = es ist nötig (Situation, Regel). sollen = eine andere Person will es – auch in der Frage Soll ich …?
Formell und streng: haben … zu + Infinitiv statt müssen – Mieter haben Schäden sofort zu melden.
2.
Fähigkeit, Möglichkeit, Erlaubnis: können und dürfen
- Amira kann drei Sprachen fließend – deshalb arbeitet sie an der Rezeption.
- Mein Sohn ist sechs und kann schon schwimmen.
- Im Ruheraum kann man ungestört arbeiten.
- Nach der Prüfung dürfen die Studierenden ihre Klausur einsehen.
- Darf ich meinen Hund mit ins Büro bringen? – Ja, Sie können ihn gern mitbringen.
- Du kannst gern meinen Laptop benutzen, ich brauche ihn heute nicht.
können hat zwei Hauptbedeutungen: Jemand ist fähig (er hat es gelernt) – oder etwas ist möglich (die Umstände lassen es zu). Bei Sprachen steht können oft ohne Infinitiv: Sie kann Arabisch. dürfen heißt: Jemand erlaubt es – eine Person, ein Gesetz, eine Hausordnung. Im Gespräch sagt man für eine Erlaubnis auch können: Du kannst gern meinen Laptop benutzen. Wenn Sie selbst um Erlaubnis bitten, klingt Darf ich …? höflicher als Kann ich …?
können oder dürfen?
- Fähigkeit: Sie kann gut mit Zahlen umgehen. – nur können
- Möglichkeit: Bei diesem Wetter kann man draußen essen. – nur können
- Erlaubnis durch eine Regel oder ein Amt: Hier dürfen nur Lieferwagen halten. – meist dürfen
- Erlaubnis im Gespräch: Du kannst gern bei uns übernachten. – auch können
- Bitte um Erlaubnis: Darf ich …? (höflich) · Kann ich …? (locker)
können = fähig oder möglich. dürfen = erlaubt. Im Gespräch geht für eine Erlaubnis auch können.
Modalverb ohne Infinitiv, wenn klar ist, was gemeint ist: Sie kann gut Portugiesisch. · Ich muss jetzt zur Arbeit.
3.
Plan, Wunsch, Vorliebe: wollen, möchten, mögen
- Nach dem Master will Tomasz ein Jahr in Kanada arbeiten.
- Wir wollen nächstes Jahr ein Haus bauen – der Kredit ist schon beantragt.
- Guten Tag, ich möchte dieses Paket nach Spanien schicken.
- Möchten Sie am Gang oder am Fenster sitzen?
- Eigentlich wollte ich heute früher gehen, aber dann kam noch eine Kundin.
- Meine Kollegin mag keine langen Besprechungen.
wollen zeigt einen festen Plan oder einen starken Willen. Gegenüber anderen Personen klingt Ich will … schnell fordernd – höflicher ist möchten: Ich möchte …, Möchten Sie …? möchten hat kein eigenes Präteritum; für die Vergangenheit nimmt man wollte. mögen heißt „gern haben“ und steht meist mit einem Nomen: Ich mag Krimis. Für Tätigkeiten sagt man meist Verb + gern: Ich lese gern.
Wie stark ist der Wunsch?
- wollen – fester Plan, starker Wille: Ich will im Herbst die C1-Prüfung machen.
- möchten – höflicher Wunsch: Ich möchte gern mit Frau Berger sprechen.
- Vergangenheit von möchten → wollte: Ich wollte dich gestern besuchen.
- mögen – Vorliebe, meist mit Nomen: Ich mag Städte am Meer.
Plan: wollen. Höflicher Wunsch: möchten – in der Vergangenheit wollte. Vorliebe: mögen + Nomen.
Am Schalter oder im Geschäft lieber Ich möchte … – Ich will … klingt dort schnell unhöflich.
4.
Nicht nötig oder verboten? nicht müssen – nicht dürfen
- Sie müssen den Vertrag heute nicht unterschreiben – nehmen Sie ihn ruhig mit nach Hause.
- Für die Anmeldung brauchen Sie keinen Termin zu vereinbaren.
- Du brauchst mich nicht abzuholen, ich nehme ein Taxi.
- Sie brauchen nur Ihren Namen anzugeben, dann bekommen Sie den Schlüssel.
- Patientendaten dürfen Sie nicht an andere weitergeben.
- Im Labor darf man nicht essen und trinken.
Hier ändert nicht die Bedeutung stark. nicht müssen heißt: Es ist nicht nötig – Sie können es tun, aber Sie müssen nicht. Dasselbe sagt brauchen mit nicht oder kein und zu + Infinitiv. brauchen … zu steht nur mit einer Verneinung oder mit nur, erst – sonst nimmt man müssen. nicht dürfen heißt dagegen: Es ist verboten. Englisch must not entspricht also nicht dürfen. Im Gespräch hört man brauchen oft ohne zu; geschrieben gehört zu dazu.
Kein Muss – oder ein Verbot?
- nicht müssen = nicht nötig: Sie müssen nicht warten.
- nicht brauchen … zu = nicht nötig: Sie brauchen nicht zu warten.
- nur / erst … brauchen … zu = nur das ist nötig: Sie brauchen nur zu klingeln.
- nicht dürfen = verboten: Sie dürfen hier nicht warten.
- Ohne Verneinung kein brauchen … zu: nicht Ich brauche heute zu putzen, sondern Ich muss heute putzen.
nicht müssen = nicht brauchen … zu = nicht nötig. nicht dürfen = verboten (Englisch: must not).
brauchen … zu nur mit nicht, kein, nur, erst – und mit zu: Sie brauchen nichts mitzubringen.
5.
Rat und Möglichkeit: sollte, müsste, könnte, dürfte
- Sie sollten Ihre Steuererklärung dieses Jahr früher abgeben.
- Du hast seit Tagen Zahnschmerzen – du müsstest wirklich zum Zahnarzt gehen.
- Eigentlich müsste ich heute noch die Küche putzen, aber ich habe keine Lust.
- Mit einem Masterabschluss könnte Jana in der Forschung arbeiten.
- Wenn der Zug pünktlich wäre, könnten wir den Anschluss noch erreichen.
- Dürfte ich Sie kurz unterbrechen?
Im Konjunktiv 2 behalten die Modalverben ihre Grundbedeutung, klingen aber weicher oder nur gedacht. sollte ist ein Rat oder eine Empfehlung. müsste ist stärker: Es wäre wirklich nötig. Mit eigentlich sagen Sie, was nötig wäre – aber Sie tun es (noch) nicht. könnte nennt eine Möglichkeit, die (noch) nicht real ist, oft mit einer Bedingung. Dürfte ich …? ist eine sehr höfliche Bitte um Erlaubnis. Bitten und Vorschläge übt das Thema „Höflichkeit, Vorschläge, Ratschläge und Vorwürfe“.
Konjunktiv 2: vom Rat bis zur Möglichkeit
- sollte – Rat, Empfehlung: Du solltest mehr schlafen.
- müsste – dringender Rat: Sie müssten unbedingt eine Anwältin fragen.
- Eigentlich müsste / sollte ich … – nötig, aber ich tue es nicht: Eigentlich sollte ich jetzt lernen.
- könnte – Möglichkeit, oft mit Bedingung: Mit dem Rad könntest du in zehn Minuten dort sein.
- dürfte – Dürfte ich …? = sehr höfliche Bitte um Erlaubnis
sollte = Rat, müsste = dringender Rat, könnte = Möglichkeit, Dürfte ich …? = sehr höflich. Die Formen zeigt „Konjunktiv 2 der Gegenwart: Formen“.
Das dürfte teuer sein ist dagegen eine Vermutung – mehr dazu im nächsten Thema, „Vermutungen über die Gegenwart“.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.