Zum Inhalt springen

B2 · Grammatik

Negationswörter

Nach dieser Seite können Sie mit nichts, niemand, nie, noch nicht, kein … mehr und doch genau verneinen und auf verneinte Fragen antworten.

Regeln

1.

Für jedes Wort ein Gegenteil: nichts, niemand, nie, nirgends …

  • Im Briefkasten war heute nichts – nicht einmal Werbung.
  • Am Wochenende erreicht man in der Verwaltung niemanden.
  • Keiner aus meinem Team hat die Einladung bekommen.
  • Meinen Personalausweis finde ich nirgends.
  • Ohne gültigen Pass dürfen Sie zurzeit nirgendwohin fliegen.
  • Herr Okafor kommt nie zu spät in die Besprechung.
  • Viele Patienten kommen ohne Termin in die Sprechstunde.

Zu vielen Wörtern gibt es ein festes negatives Gegenstück: etwas/alles → nichts, jemand/jeder/alle → niemand oder keiner, immer/oft → nie oder niemals, überall/irgendwo → nirgends oder nirgendwo, überallhin → nirgendwohin, mit → ohne. Wann Sie nicht und wann kein nehmen, zeigt das Thema „Position von nicht“; die Formen von niemand und keiner finden Sie im Thema „Indefinitpronomen für Menschen“.

Positiv → negativ

  • etwas, alles → nichts
  • jemand, jeder, alle → niemand / keiner
  • immer, oft, manchmal → nie / niemals
  • überall, irgendwo → nirgends / nirgendwo (Wo?)
  • überallhin, irgendwohin → nirgendwohin (Wohin?)
  • mit → ohne (+ Akkusativ, meist ohne Artikel)

nirgends / nirgendwo = an keinem Ort (Wo?). nirgendwohin = zu keinem Ziel (Wohin?).

ohne + Akkusativ, meist ohne Artikel: ohne Termin, ohne gültigen Pass.

2.

Auf schon antworten: noch nicht, noch kein, noch nie

  • „Ist das Paket schon da?“ – „Nein, es ist noch nicht angekommen.“
  • „Hast du schon eine Antwort von der Bank?“ – „Nein, ich habe noch keine Antwort.“
  • „Warst du schon einmal in Lissabon?“ – „Nein, da war ich noch nie.“
  • „Haben Sie schon einen Termin beim Hautarzt?“ – „Nein, noch keinen.“
  • Eine Steuererklärung habe ich noch nie ganz allein gemacht.
  • Die Handwerker sind noch nicht fertig, sie kommen morgen wieder.

schon fragt: Ist es bis jetzt passiert? Die Verneinung heißt noch nicht – es ist bis jetzt nicht passiert, kann aber noch kommen. Steht nach schon ein Nomen mit ein oder ohne Artikel, sagen Sie noch kein + Nomen. Geht es um Erfahrungen im ganzen Leben (schon einmal, schon oft), lautet die Verneinung noch nie.

Drei Paare

  • schon → noch nicht: Ist er schon da? – Nein, noch nicht.
  • schon ein + Nomen → noch kein + Nomen: Hast du schon ein Ticket? – Nein, noch keins.
  • schon einmal / schon oft → noch nie: Warst du schon einmal dort? – Nein, noch nie.

schon ↔ noch nicht · schon ein ↔ noch kein · schon einmal ↔ noch nie

noch kein hat dieselben Endungen wie kein: noch keinen Termin, noch keine Antwort; allein: noch keinen, noch keins.

3.

Auf noch antworten: nicht mehr, kein … mehr, nie mehr

  • „Arbeitet Frau Haddad noch in der Buchhaltung?“ – „Nein, sie arbeitet nicht mehr bei uns.“
  • „Gibt es noch Karten für die Lesung?“ – „Nein, es gibt keine Karten mehr.“
  • „Haben Sie am Freitag noch einen Termin frei?“ – „Leider keinen mehr.“
  • Nach der Operation hatte mein Vater endlich keine Schmerzen mehr.
  • Seit dem Umzug fahre ich nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit.
  • Nach diesem Ärger buche ich nie mehr bei diesem Reiseveranstalter.

noch fragt: Dauert etwas an? Die Verneinung heißt nicht mehr – früher ja, jetzt nicht. Mit einem Nomen sagen Sie kein + Nomen + mehr; kein bekommt die passende Endung, und mehr steht hinter dem Nomen. Ist das Nomen schon bekannt, fällt es weg: keinen mehr. nie mehr (oder nie wieder) heißt: ab jetzt nie.

Früher ja – jetzt nicht

  • noch → nicht mehr: Wohnt sie noch hier? – Nein, nicht mehr.
  • noch ein + Nomen → kein + Nomen + mehr: Hast du noch eine Briefmarke? – Nein, keine mehr.
  • noch + Nomen ohne Artikel → kein + Nomen + mehr: Gibt es noch Brot? – Nein, kein Brot mehr.

noch ↔ nicht mehr · noch ein + Nomen ↔ kein + Nomen + mehr

mehr steht hinter dem Nomen: keine Karten mehr (nicht: keine mehr Karten).

4.

Ein Negationswort genügt – und doch als Antwort

  • Ich habe den ganzen Tag niemanden erreicht.
  • Der Kurierdienst hat bei uns nichts abgegeben.
  • Der Hausmeister hat sich nie über etwas beschwert.
  • „Kommst du nicht mit zur Betriebsfeier?“ – „Doch, ich komme etwas später nach.“
  • „Hast du keinen Schlüssel dabei?“ – „Doch, hier ist er.“
  • „Haben Sie die Rechnung noch nicht bezahlt?“ – „Nein, das erledige ich heute.“

Im Standarddeutschen reicht ein Negationswort pro Aussage. nie und niemand oder nicht und nichts nebeneinander sind falsch: Die anderen Wörter bleiben positiv – nie etwas, nie jemandem. Feste Verbindungen wie noch nie oder kein … mehr zählen als ein Negationswort. Auf eine verneinte Frage antworten Sie mit doch, wenn das Gegenteil stimmt (positiv). Mit nein bestätigen Sie die Verneinung. ja ist hier missverständlich.

Ja, nein oder doch?

  • Kommst du mit? – Ja, ich komme mit. / Nein, ich komme nicht mit.
  • Kommst du nicht mit? – Doch, ich komme mit. (Gegenteil: positiv)
  • Kommst du nicht mit? – Nein, ich komme nicht mit. (Verneinung stimmt)

Ein Negationswort pro Aussage: Er hat nie etwas gesagt. (nicht: Er hat nie nichts gesagt.)

Verneinte Frage, positive Antwort → Doch: Hast du keine Zeit? – Doch, ich habe Zeit.

5.

Verneinung im Wort: un-, in-, miss-, -los, -frei

  • Das Formular ist unvollständig – es fehlt Ihre Unterschrift.
  • Die Begründung des Amtes finde ich inakzeptabel.
  • Das war ein Missverständnis: Ich meinte nicht diesen Dienstag, sondern den nächsten.
  • Der Eintritt ins Stadtmuseum ist für Kinder kostenlos.
  • Der Vortrag war leider ziemlich ideenlos.
  • Die neue Arztpraxis im Erdgeschoss ist barrierefrei.

Auch Vor- und Nachsilben können verneinen. un-: viele Adjektive (unvollständig, unhöflich). in- (il-, ir-): nur Fremdwörter (inakzeptabel, illegal, irrelevant). miss-: falsch, schlecht (Missverständnis, misstrauen). -los: ohne (kostenlos, arbeitslos); bei Eigenschaften oft kritisch (ideenlos) – neutraler: Er hat keine Ideen. -frei: ohne Störendes, meist positiv (barrierefrei).

Vorsilbe oder Nachsilbe?

  • un-: unvollständig, unhöflich, unpünktlich, unzufrieden
  • in- / il- / ir- (Fremdwörter): inakzeptabel, inkompetent, illegal, irrelevant
  • miss-: das Missverständnis, der Misserfolg, misstrauen
  • -los (ohne): kostenlos, arbeitslos, ratlos, ideenlos
  • -frei (ohne Störendes): barrierefrei, rauchfrei, alkoholfrei

un- bei vielen Adjektiven, in- nur bei Fremdwörtern: unhöflich, aber inakzeptabel.

-los = ohne (bei Eigenschaften oft kritisch: ideenlos). -frei = ohne Störendes (meist positiv: barrierefrei).

Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.