B2/C1 · Grammatik
Verben mit Nominativ, Akkusativ und Dativ
Nach dieser Seite können Sie für häufige Verben den richtigen Kasus wählen – Akkusativ, Dativ oder beides –, Sätze mit gefallen, fehlen und gehören bilden und (C1) Verben mit zwei Akkusativen wie kosten und lehren verwenden.
Regeln
1.
Ohne Objekt oder mit Akkusativ
- Psst, das Baby schläft endlich.
- Meine Kollegin aus Lyon telefoniert gerade.
- Ich rufe dich nach der Besprechung an.Akkusativ
- Herr Brenner bearbeitet Ihren Antrag bis Freitag.Akkusativ
- Am Samstag besichtigen wir eine Altbauwohnung in Leipzig.Akkusativ
- Frau Kowalska ist seit Mai unsere Teamleiterin.
Das Verb bestimmt, welche Ergänzungen ein Satz braucht. Einige Verben brauchen nur ein Subjekt im Nominativ (Wer?): schlafen, lachen, arbeiten, telefonieren, reisen. Die meisten Verben haben außerdem ein Akkusativobjekt (Wen oder was?) – das ist die größte Gruppe. Achten Sie auf Paare: telefonieren (ohne Akkusativ) – anrufen + Akkusativ, arbeiten – einen Antrag bearbeiten. Die Artikelformen wiederholen Sie in den Themen „Akkusativ“ und „Dativ“ (A1).
Gut zu wissen
- Angaben wie heute, im Büro, mit dem Zug zählen hier nicht – sie passen zu fast jedem Verb. Es geht nur um die Ergänzungen, die das Verb verlangt.
- sein, werden, bleiben haben kein Objekt, sondern einen zweiten Nominativ: Sie ist unsere Teamleiterin. Er wird bald Vater.
- Manche Verben verlangen eine feste Präposition: warten auf, bitten um, sich kümmern um. Dafür gibt es ein eigenes Thema.
- Einige gehobene Verben haben sogar ein Genitivobjekt (gedenken, bedürfen) – mehr dazu im Thema „Verben mit Genitiv“ (C1).
Wen oder was? → Akkusativ. Die meisten deutschen Verben haben ein Akkusativobjekt.
Die Vorsilbe be- macht oft ein Verb mit Akkusativ: arbeiten → einen Antrag bearbeiten, antworten → eine Frage beantworten.
2.
Dativ und Akkusativ: jemandem etwas geben
- Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?
- Die Apothekerin erklärt Herrn Osei die Dosierung.
- Opa hat den Enkelkindern eine Gutenachtgeschichte vorgelesen.
- Im Zug hat mir jemand das Portemonnaie gestohlen.
- Kannst du uns ein ruhiges Café in der Altstadt empfehlen?
- Die Hausverwaltung hat allen Mietparteien die neue Hausordnung geschickt.
Viele Verben haben zwei Objekte: eine Person im Dativ (Wem?) und eine Sache im Akkusativ (Was?). Der Dativ ist fast immer ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen (der Firma, dem Team) – die Person, die etwas bekommt oder verliert. Oft darf der Dativ auch fehlen: Ich koche (dir) eine Suppe. Die Reihenfolge der beiden Objekte erklärt das Thema „Position von Dativ- und Akkusativobjekt“ (B2).
Typische Verben mit Dativ und Akkusativ
- Geben und Nehmen: geben, schenken, leihen, schicken, bringen, wegnehmen, stehlen
- Zeigen und Mitteilen: zeigen, erklären, erzählen, mitteilen, empfehlen, vorlesen, versprechen
- Anbieten und Erlauben: anbieten, erlauben, verbieten, raten, wünschen
Wem? → Dativ (meist eine Person) · Was? → Akkusativ (meist eine Sache).
Auch wer etwas verliert, steht im Dativ: Man hat ihm das Fahrrad gestohlen.
3.
Nur ein Dativ: helfen, danken, antworten …
- Kannst du mir kurz beim Tragen helfen?Dativ
- Wir danken Ihnen für Ihre Geduld.Dativ
- Das ganze Team hat der neuen Abteilungsleiterin gratuliert.Dativ
- Gestern bin ich meiner früheren Lehrerin im Supermarkt begegnet.Dativ
- In der Besprechung hat Lina dem Projektleiter offen widersprochen.Dativ
- Hör mir bitte kurz zu!Dativ
Eine kleine Gruppe von Verben hat nur ein Objekt – und das steht im Dativ, obwohl das Englische hier ein direktes Objekt verwendet. Eine Logik gibt es nicht: Man fragt jemanden, aber man antwortet jemandem. Lernen Sie diese Verben deshalb mit jemandem: helfen, danken, antworten, gratulieren, begegnen, folgen, vertrauen, zuhören, zustimmen, widersprechen. begegnen und folgen bilden das Perfekt mit sein.
Dativ
Akkusativ
ähnliche Bedeutung …
… anderer Kasus
Lernen Sie diese Verben mit jemandem: jemandem helfen, jemandem danken, jemandem widersprechen.
Ähnliche Bedeutung, anderer Kasus: Ich helfe dir. · Ich unterstütze dich.
4.
Gefallen, fehlen, gehören: die Person im Dativ
- Die Wohnung im dritten Stock gefällt uns am besten.Dativ
- Mir fehlen noch zwei Unterlagen für den Antrag.Dativ
- Wem gehört der rote Koffer im Flur?Dativ
- Passt Ihnen Donnerstagvormittag, oder ist Ihnen der Nachmittag lieber?Dativ
- Seit dem Umzug tut mir der Rücken weh.Dativ
- Die dunkelblaue Jacke steht dir wirklich gut.Dativ
- Geht es Ihrer Schwiegermutter nach der Operation besser?Dativ
Bei manchen Verben ist die Sache oder die Situation das Subjekt, und die Person steht im Dativ. Wer etwas mag, vermisst oder besitzt, ist also nicht das Subjekt: Die Wohnung gefällt mir. (= Ich finde die Wohnung schön.) Das Verb richtet sich nach der Sache. Typisch sind gefallen, gehören, fehlen, schmecken, passen, stehen (Kleidung), wehtun, gelingen, einfallen, leidtun und es geht + Dativ. Auch einige Adjektive haben einen Dativ: Das ist mir egal.
Typische Fehler
- ✗ Ich gefalle die neue Wohnung. → ✓ Die neue Wohnung gefällt mir.
- ✗ Ich fehle meine Familie. → ✓ Meine Familie fehlt mir. (= Ich vermisse meine Familie.)
- ✗ Die Fotos gefällt mir. → ✓ Die Fotos gefallen mir. – das Verb passt zum Subjekt.
Wer oder was gefällt, fehlt, gehört? → die Sache (Nominativ). Wem? → die Person (Dativ).
Das Verb richtet sich nach der Sache: Die Schuhe gefallen mir. · Mir fehlt ein Formular.
5.
C1: Zwei Akkusative: kosten, lehren, nennen …
- Der Umbau hat uns ein halbes Jahr gekostet.Akkusativ
- Die Professorin lehrte ihre Doktorandinnen das wissenschaftliche Schreiben.Akkusativ
- Darf ich Sie etwas fragen?Akkusativ
- Die Fachpresse nannte die Architektin eine Pionierin des nachhaltigen Bauens.Akkusativ
- Vor der Prüfung fragte mich mein Mitbewohner alle Fachbegriffe ab.Akkusativ
- Mein Gehalt geht die Nachbarn nichts an.Akkusativ
Einige wenige Verben haben zwei Akkusativobjekte. Meist ist eins davon eine Person, das andere eine Sache oder eine Bezeichnung: kosten (Zeit, Geld, Nerven), lehren (gehoben), fragen und abfragen, nennen (jemanden + Bezeichnung) und angehen (etwas geht jemanden nichts an). Ein häufiger Fehler ist Das kostet mir … – richtig: Das kostet mich … Im Alltag sagt man statt lehren meist beibringen; dann steht die Person im Dativ.
Zwei Akkusative im Überblick
- kosten: Die Reparatur kostet mich 300 Euro. – nicht mir
- lehren (gehoben): Die Erfahrung lehrte sie Geduld. · Alltag: Die Erfahrung hat ihr Geduld beigebracht.
- nennen: Alle nannten ihn einen Glückspilz. – auch die Bezeichnung steht im Akkusativ.
- (ab)fragen: Darf ich dich etwas fragen? · Sie fragt ihn die Vokabeln ab.
Zwei Akkusative: Das kostet mich eine Stunde. · Alle nannten ihn einen Helden.
Meist ist eins der beiden Objekte eine Person. Mit beibringen steht sie im Dativ: Sie bringt mir Geduld bei.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.