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B2/C1 · Grammatik

Vermutung und Zukunft mit dem Futur

Nach dieser Seite können Sie mit werden + Infinitiv Vermutungen äußern, Versprechen und Vorhersagen formulieren, Pläne natürlich im Präsens ausdrücken und (C1) mit dem Futur II über Vergangenes vermuten und Abgeschlossenes in der Zukunft beschreiben.

Regeln

1.

Vermutung über jetzt: werden + Infinitiv

  • Frau Berisha geht nicht ans Telefon. Sie wird gerade in einer Besprechung sein.
  • Die Wohnung im Zentrum wird bestimmt über 1500 Euro kosten.
  • „Hast du meinen Schlüssel gesehen?“ – „Der wird wahrscheinlich noch in deiner Jackentasche stecken.“
  • Mira lernt seit drei Jahren Japanisch. Sie wird es inzwischen ziemlich gut sprechen.
  • Der neue Kollege wird so Mitte dreißig sein.
  • Das Restaurant ist voll. Wir werden wohl eine Weile warten müssen.

Die konjugierte Form von werden steht an Position 2, der Infinitiv am Satzende – diese Satzklammer kennen Sie aus „Verbposition in einfachen Sätzen“. Geht es um eine Situation jetzt, ist das keine Zukunft, sondern eine Vermutung: Die Person ist nicht ganz sicher. Wörter wie wohl, sicher, bestimmt, wahrscheinlich, vielleicht zeigen, wie sicher sie ist. Mit Modalverb stehen am Ende zwei Infinitive: warten müssen. Achtung: wird ist Indikativ, würde ist Konjunktiv II (siehe „Konjunktiv 2 der Gegenwart: Formen“).

Die Formen von werden

  • Singular und Plural nebeneinander: ich werde – wir werden · du wirst – ihr werdet · er/sie/es wird – sie/Sie werden
  • Achtung: du wirst (nicht wirdst) und er/sie/es wird (ohne Endung -t).
  • Position 2 + Ende: Sie wird im Homeoffice sein.
  • Nicht verwechseln: Sie wird zu Hause sein. (Vermutung) · Sie würde gern zu Hause sein. (Konjunktiv II, Wunsch)

werden (Position 2) + Infinitiv (Ende), oft mit wohl, sicher, wahrscheinlich = Vermutung über jetzt: Sie wird wohl noch im Büro sein.

Für Vermutungen nimmt man wird (Indikativ), nicht würde (Konjunktiv II).

2.

Vermutung über Vergangenes: werden + Partizip II + haben/sein (C1)

  • Der Kühlschrank ist leer. Die Kinder werden alles aufgegessen haben.
  • Die Straße ist ganz nass. Es wird in der Nacht geregnet haben.
  • Elif hat die Stelle bekommen. Sie wird im Gespräch einen sehr guten Eindruck gemacht haben.
  • Bei den Nachbarn ist seit zwei Wochen niemand da. Sie werden in den Urlaub gefahren sein.
  • Herr Jansen sieht entspannt aus. Das Gespräch mit der Bank wird gut gelaufen sein.
  • Der Bescheid kam schon nach einer Woche. Der Antrag wird sofort bearbeitet worden sein.

Für eine Vermutung über etwas Vergangenes steht am Ende der Infinitiv Perfekt: Partizip II + haben oder sein. Diese Form heißt Futur II – obwohl sie hier über die Vergangenheit spricht. Sie wird es vergessen haben. bedeutet: Ich vermute, dass sie es vergessen hat. Ob haben oder sein, entscheiden Sie wie im Perfekt (siehe „Perfekt mit haben“). Im Passiv heißt es … bearbeitet worden sein (siehe „Passiv in allen Zeiten“).

Position 1Position 2MittelfeldEnde
Futur I: jetztSiewirdwohl noch im Bürosein.
Futur II: gesternSiewirdgestern lange im Bürogeblieben sein.
Futur II mit habenDie Kinderwerdenallesaufgegessen haben.
Futur II im PassivDer Antragwirdsofortbearbeitet worden sein.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Vermutung über Vergangenes: werden + Partizip II + haben/sein → Er wird es vergessen haben.

haben oder sein? Wie im Perfekt: ist gefahren → wird gefahren sein.

3.

Versprechen, Vorhersagen, Ankündigungen: Futur I

  • Keine Sorge, ich werde pünktlich am Flughafen sein. (Versprechen)
  • Wir werden Ihre Beschwerde sorgfältig prüfen. (Versprechen, formell)
  • Ab Januar werde ich jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fahren. (feste Absicht)
  • Glaub mir, die Kunden werden dein Konzept lieben. (Vorhersage)
  • Nach der aktuellen Prognose werden die Mieten in der Region weiter steigen. (Vorhersage)
  • Der neue Hauptbahnhof wird voraussichtlich 2031 in Betrieb gehen. (Ankündigung)

Für die Zukunft verwendet man Futur I vor allem dann, wenn man etwas betonen will: ein Versprechen (ich/wir werden …), eine feste Absicht, eine Vorhersage oder Prognose. In formellen Texten – Nachrichten, Pressemitteilungen, offiziellen Briefen – kündigt man so auch geplante Ereignisse an. Ob werden + Infinitiv eine Vermutung oder die Zukunft ausdrückt, zeigt der Kontext: Spricht jemand über die eigene Handlung von morgen, ist es ein Versprechen oder eine Absicht; geht es um eine Situation jetzt, ist es eine Vermutung.

Was will die Person sagen?

  • Versprechen: Ich werde dich nicht enttäuschen.
  • Feste Absicht: Nächstes Jahr werde ich mich selbstständig machen.
  • Vorhersage: Die Preise werden weiter steigen.
  • Ankündigung (formell): Die Bauarbeiten werden im Mai beginnen.
  • Zum Vergleich – Vermutung über jetzt: Sie wird wohl im Stau stehen.

Futur I für die Zukunft = mit Nachdruck: Versprechen, feste Absichten, Vorhersagen und formelle Ankündigungen.

Der Kontext entscheidet: Ich werde morgen anrufen. (Versprechen) – Sie wird jetzt beim Arzt sein. (Vermutung)

4.

Zukunft im Alltag: Präsens + Zeitangabe

  • Morgen fliege ich für drei Tage nach Krakau.
  • Nächste Woche fängt Amira in der Buchhaltung an.
  • Wir ziehen im Herbst in eine größere Wohnung.
  • In zwei Stunden landet unser Flug in Lissabon.
  • Der Kurs beginnt am 4. November und dauert zehn Wochen.
  • „Was machst du am Wochenende?“ – „Da besuche ich meine Schwester in Graz.“

Im Alltag drückt man die Zukunft meistens mit dem Präsens und einer Zeitangabe aus: morgen, nächste Woche, im Herbst, bald, gleich, in zwei Stunden. Die Zeitangabe zeigt schon, dass es um später geht – Futur I braucht man dann nicht. Futur I ist nicht falsch, klingt aber nachdrücklicher oder formeller; mit ich wirkt es oft wie ein Versprechen. Fehlt die Zeitangabe, ist das Präsens oft Gegenwart. Dann macht Futur I klar, dass es um die Zukunft geht.

Präsens oder Futur I?

  • Plan mit Zeitangabe → Präsens: Am Montag habe ich einen Arzttermin.
  • Versprechen, Vorhersage, Nachdruck → Futur I: Das wird nicht wieder passieren.
  • Ohne Zeitangabe: Sie arbeitet in Wien. (jetzt) – Sie wird in Wien arbeiten. (später – oder eine Vermutung)

Im Alltag: Zukunft = Präsens + Zeitangabe → Nächsten Monat fange ich an.

Futur I, wenn Sie etwas betonen (Versprechen, Vorhersage) oder wenn ohne Zeitangabe unklar wäre, dass Sie die Zukunft meinen.

5.

Fertig bis …: Futur II oder Perfekt + Zeitangabe (C1)

  • Bis zur Eröffnung im März wird die Baufirma alle Arbeiten abgeschlossen haben. (formell)
  • Bis zur Eröffnung im März hat die Baufirma alle Arbeiten abgeschlossen. (Alltag)
  • Bis 2035 werden viele Städte ihre Busse auf Elektroantrieb umgestellt haben.
  • Bis du zurück bist, habe ich die Küche längst aufgeräumt.
  • Sobald die Gutachterin ihren Bericht vorgelegt hat, entscheidet der Ausschuss.
  • Wenn die Stadt das Gelände gekauft haben wird, wird sie dort Wohnungen bauen.

Futur II beschreibt auch etwas, das bis zu einem Zeitpunkt in der Zukunft abgeschlossen ist (bis Freitag, bis 2035). Das klingt formell: Berichte, Prognosen, Fachtexte. Im Alltag nimmt man das Perfekt + Zeitangabe. Im Nebensatz mit wenn, sobald, nachdem zeigt das Perfekt: Das ist zuerst fertig, dann folgt der Hauptsatz (Präsens oder Futur I). Futur II im Nebensatz (…, wenn sie es gekauft haben wird) ist sehr formell. Das Perfekt kann also Vergangenheit oder „fertig in der Zukunft“ bedeuten – die Zeitangabe entscheidet.

Perfekt: Vergangenheit oder fertig in der Zukunft?

  • Ich habe den Bericht gestern geschrieben. → Vergangenheit
  • Bis morgen habe ich den Bericht geschrieben. → fertig in der Zukunft
  • = Bis morgen werde ich den Bericht geschrieben haben. (formell)
  • Sobald ich den Bericht geschrieben habe, schicke ich ihn dir. → erst fertig, dann die nächste Handlung

Fertig bis zu einem Zeitpunkt in der Zukunft: Futur II (formell) oder Perfekt + Zeitangabe (Alltag).

Im wenn- oder sobald-Satz zeigt das Perfekt: erst das, dann die Handlung im Hauptsatz.

Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.