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C1 · Grammatik

Formen mit Passivbedeutung

Nach dieser Seite können Sie weitere Formen mit Passivbedeutung erkennen und bilden – sich + Verb, das modale Partizip, gehören und bekommen + Partizip II sowie Nomen-Verb-Verbindungen wie zum Einsatz kommen – und sie passend zum Register einsetzen.

Regeln

1.

sich + Verb: Der Bericht liest sich flüssig.

  • Der Abschlussbericht liest sich wie ein Krimi.
  • Die Studie liest sich trotz vieler Fachbegriffe erstaunlich flüssig.
  • Kleine, sparsame Autos verkaufen sich derzeit besonders gut.
  • Wie schreibt sich Ihr Nachname – mit „ä“ oder mit „ae“?
  • In diesem Viertel lebt es sich ruhig und trotzdem zentral.
  • Mit den neuen Winterreifen fährt es sich deutlich sicherer.
  • Im neuen Gemeinschaftsbüro lässt es sich in Ruhe arbeiten.

Manche Verben bekommen mit sich eine Passivbedeutung im Sinn von man kann (gut, schlecht …): Der Bericht liest sich flüssig. = Man kann ihn flüssig lesen. Meist steht ein Adverb der Art und Weise dabei (gut, leicht, schwer, flüssig). Wer handelt, wird nie genannt. Gibt es keine Sache als Subjekt, steht es – auch im Mittelfeld: Hier lebt es sich gut. Genauso: In diesem Büro lässt es sich konzentriert arbeiten.

Mit Subjekt – oder mit es?

  • Sache als Subjekt: Der Vertrag liest sich kompliziert. · Die Wohnung vermietet sich schnell.
  • kein Subjekt → es: Hier wohnt es sich gut. · Es wohnt sich hier gut.
  • es lässt sich + Infinitiv: Bei diesem Wetter lässt es sich aushalten.
  • falsch: Hier wohnt sich gut. · Der Bericht liest sich von allen gut.

sich + Verb + Adverb = man kann gut/schlecht …: Der Text liest sich flüssig.

Ohne Subjekt steht es, auch im Mittelfeld: Hier arbeitet es sich gut.

2.

Modales Partizip: die zu prüfenden Anträge

  • Die zu prüfenden Anträge liegen im obersten Fach. (= die geprüft werden müssen)
  • Alle einzureichenden Unterlagen finden Sie in der Checkliste. (= die eingereicht werden müssen)
  • Die zu erwartenden Kosten liegen bei etwa zwei Millionen Euro. (= mit denen man rechnen muss)
  • Müdigkeit am Steuer ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. (= das nicht unterschätzt werden darf)
  • Bei der zu besetzenden Stelle handelt es sich um eine Teilzeitstelle. (= die besetzt werden soll)
  • Wir suchen ein leicht zu bedienendes Buchungssystem. (= das leicht bedient werden kann)

Das modale Partizip besteht aus zu + Partizip I (Infinitiv + d) und steht wie ein Adjektiv mit Endung vor dem Nomen: die zu prüfenden Anträge. Es ersetzt einen Relativsatz mit Passiv und Modalverb: die Anträge, die geprüft werden müssen. Gemeint ist muss/soll, kann oder mit nicht oft darf nicht – der Kontext entscheidet. Bei trennbaren Verben steht zu in der Mitte: einzureichenden. Es geht nur mit Verben, die ein werden-Passiv bilden. Typisch für Verwaltung, Wissenschaft und Presse.

Vom Relativsatz zum modalen Partizip

  • die Fragen, die noch geklärt werden müssen → die noch zu klärenden Fragen
  • ein System, das leicht bedient werden kann → ein leicht zu bedienendes System
  • die Formulare, die ausgefüllt werden sollen → die auszufüllenden Formulare
  • Endungen wie beim Adjektiv: der zu prüfende Antrag · ein zu prüfender Antrag · mit dem zu prüfenden Antrag

zu + Infinitiv + d + Adjektivendung vor dem Nomen: die zu klärenden Fragen = die Fragen, die geklärt werden müssen.

Trennbare Verben: die abzuholenden Pakete. Nur mit Verben, die ein werden-Passiv haben.

3.

gehören + Partizip II: Das gehört verboten!

  • So ein rücksichtsloses Verhalten gehört eigentlich bestraft.
  • Dein Fahrrad gehört dringend mal geputzt.
  • Solche Werbeanrufe gehören endlich verboten.
  • Der Rasen hinter dem Haus gehört mal wieder gemäht.
  • Nadia hat das ganze Projekt gerettet – die gehört doch befördert!
  • Das alte Treppenhaus gehört gründlich renoviert.

gehören + Partizip II bedeutet muss / sollte … werden: Das gehört verboten. = Das sollte verboten werden. Es klingt deutlich, oft empört, und ist umgangssprachlich – in formellen Texten benutzt man das Passiv mit Modalverb. Das Partizip steht am Satzende, die handelnde Person wird nicht genannt. Ohne Partizip hat gehören mit einer Ortsangabe seine normale Bedeutung (der richtige Platz ist): Die Milch gehört in den Kühlschrank.

Passiv mit Modalverb → gehören

  • Das Fahrrad müsste mal geputzt werden. → Das Fahrrad gehört mal geputzt.
  • So etwas sollte verboten werden. → So etwas gehört verboten.
  • Nur im Gespräch und in lockeren Texten – nicht im Geschäftsbrief oder im Bericht.

gehören + Partizip II = muss / sollte … werden: Das gehört repariert.

Nur umgangssprachlich – formell heißt es: Das muss repariert werden.

4.

bekommen + Partizip II: Ich bekomme das Ticket erstattet.

  • Nach der langen Zugverspätung bekomme ich die Hälfte des Fahrpreises erstattet.
  • Neue Mitarbeitende bekommen am ersten Tag einen Laptop gestellt.
  • Zum Abschied hat Herr Okafor ein Fotobuch geschenkt bekommen.
  • Wir kriegen die Möbel erst nächste Woche geliefert. (umgangssprachlich)
  • Hast du die neue Software schon erklärt bekommen?
  • Sie erhalten die Unterlagen in den nächsten Tagen per Post zugeschickt. (formell)

Bei Verben mit Dativ- und Akkusativobjekt (jemandem etwas schenken, erstatten, liefern, erklären) gibt es ein zweites Passiv: Die Person im Dativ wird Subjekt, Hilfsverb ist bekommen, das Partizip II steht am Ende. Die Person, die etwas bekommt, wird also immer genannt; das Akkusativobjekt bleibt Akkusativ. kriegen ist umgangssprachlich, erhalten formell. Perfekt: Ich habe das Geld erstattet bekommen.

Dativ wird Subjekt

  • Mir wird das Geld erstattet. → Ich bekomme das Geld erstattet.
  • Ihr wurde ein Blumenstrauß überreicht. → Sie bekam einen Blumenstrauß überreicht.
  • umgangssprachlich: Wir kriegen die Möbel geliefert. · formell: Sie erhalten die Unterlagen zugeschickt.
  • Perfekt: Ich habe das Geld erstattet bekommen. (Partizip bekommen ohne ge-)

bekommen + Partizip II: Die Person im Dativ wird Subjekt – Ich bekomme das Geld erstattet.

kriegen = umgangssprachlich, erhalten = formell. Perfekt: habe … erstattet bekommen.

5.

Nomen-Verb-Verbindungen: zum Einsatz kommen, Beachtung finden

  • Die neue Software kommt ab Januar in allen Filialen zum Einsatz. (= wird eingesetzt)
  • Die Studie fand in der Fachwelt große Beachtung. (= wurde stark beachtet)
  • Die Hausärztin genießt im ganzen Dorf großes Vertrauen. (= ihr wird vertraut)
  • Der Antrag steht am Donnerstag zur Abstimmung. (= wird abgestimmt)
  • Das Konzept erfuhr im Lauf der Jahre einige Veränderungen. (= wurde verändert)
  • Nach zwei Jahren Planung ging ihr großer Wunsch in Erfüllung. (= wurde erfüllt)
  • Die Förderung gelangt erst nach Prüfung aller Belege zur Auszahlung. (= wird ausgezahlt; sehr formell)

In manchen Nomen-Verb-Verbindungen (Funktionsverbgefügen) steckt eine Passivbedeutung: Das Nomen nennt die Handlung, das Subjekt ist die Sache oder Person, mit der etwas gemacht wird. Die Software kommt zum Einsatz. = Die Software wird eingesetzt. Die wichtigsten Funktionsverben dieser Art zeigt die Übersicht unten. Man findet sie vor allem in Presse, Wissenschaft und Verwaltung. Wo das Nomen im Satz steht, zeigt das Thema „Informationen direkt zum Verb“.

Passivbedeutung mit Funktionsverb

  • finden: Beachtung, Anerkennung, Zustimmung, Verwendung finden
  • kommen / gelangen: zum Einsatz, zur Anwendung, zur Sprache, zur Auszahlung kommen/gelangen
  • stehen: zur Diskussion, zur Abstimmung, zur Verfügung stehen
  • erfahren / genießen: Kritik, Unterstützung, eine Veränderung erfahren · Vertrauen, Ansehen genießen
  • bekommen / erhalten / gehen: eine Genehmigung bekommen/erhalten · in Erfüllung gehen

Nomen-Verb-Verbindung mit Passivbedeutung: Die Software kommt zum Einsatz. = Sie wird eingesetzt.

Lernen Sie Nomen, Präposition und Verb zusammen: zur Diskussion stehen, Beachtung finden, in Erfüllung gehen.

Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.