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C1 · Grammatik

Informationsverteilung im Satz

Nach dieser Seite können Sie Informationen in Satz und Text so anordnen, dass Bekanntes vorn und Neues hinten steht, und Satzteile gezielt auf Position 1 stellen – zum Anknüpfen, Ordnen oder Betonen.

Regeln

1.

Bekanntes links, Neues rechts: Der Artikel gibt das Signal

  • Der Verlag will das Manuskript bereits im Herbst veröffentlichen.
  • Der Verlag will im Herbst einen Sammelband über Stadtgeschichte veröffentlichen.
  • Das Institut hat der Projektleiterin gestern einen Zwischenbericht geschickt.
  • Das Institut hat den Zwischenbericht gestern einer externen Gutachterin geschickt.
  • Die Stiftung verleiht ihren Förderpreis in diesem Jahr einer jungen Klimaforscherin.
  • Die Stadt hat ihre Pläne am Montag erstmals öffentlich vorgestellt.

Im Mittelfeld steht Bekanntes meist links, vor den Angaben (te-ka-mo-lo). Neues und Wichtiges steht rechts, kurz vor dem zweiten Verbteil. Der Artikel zeigt, was neu und was bekannt ist: Mit ein, eine oder ohne Artikel führt man etwas Neues ein. Mit der, die, das, einem Possessivartikel oder als Pronomen ist es bekannt – schon erwähnt oder aus dem Zusammenhang klar. Bei zwei Objekten steht das bekannte vor dem neuen (vgl. „Position von Dativ- und Akkusativobjekt“).

Position 1Position 2bekanntAngabenneuzweiter Verbteil
Der Verlagwilldas Manuskriptbereits im Herbstveröffentlichen.
Der Verlagwillim Herbsteinen Sammelbandveröffentlichen.
Das Instituthatden Zwischenberichtgesterneiner externen Gutachteringeschickt.
Die Stiftungverleihtihren Förderpreisin diesem Jahreiner jungen Klimaforscherin.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Noch weiter rechts – hinter dem zweiten Verbteil – stehen manchmal lange Vergleiche. Das zeigt das Thema „Verbposition in einfachen Sätzen“.

Neu (ein-, ohne Artikel) → rechts, nach den Angaben. Bekannt (der/die/das, mein-, Pronomen) → meist links, vor den Angaben.

Was am meisten zählt, rückt nach rechts: direkt vor den zweiten Verbteil oder ans Ende des Satzes.

2.

Position 1 im Text: anknüpfen und ordnen

  • Die Klinik hat eine Notfallambulanz für Kinder eröffnet. Die Ambulanz ist rund um die Uhr besetzt.
  • Das Team hat ein neues Messgerät entwickelt. Damit lassen sich Schadstoffe in Echtzeit erfassen.
  • Bei der Stadtverwaltung ist ein Antrag für mehr Nachtbusse eingegangen. Darüber entscheidet der Stadtrat im März.
  • 2019 gründete Leyla Aydın ein kleines Übersetzungsbüro. Zwei Jahre später beschäftigte sie bereits acht Mitarbeitende.
  • Im Erdgeschoss befinden sich die Anmeldung und ein Wartebereich. Im ersten Stock liegen die Behandlungsräume.

In einem Text ist Position 1 die Brücke zum vorigen Satz. Dort steht meist etwas Bekanntes – oft das Subjekt als Pronomen oder mit bestimmtem Artikel, oder ein Verweiswort wie damit, darüber, dort, deshalb. Zeitangaben auf Position 1 geben einem Bericht oder Lebenslauf eine zeitliche Ordnung, Ortsangaben einer Beschreibung eine räumliche. Dass jede Angabe den Satz eröffnen kann, wissen Sie aus „Position der Angaben im Satz“.

Typische Satzanfänge im Text

  • Pronomen, bestimmter Artikel, dies-: Sie …, Das Gerät …, Diese Lösung …
  • Verweiswörter: Damit …, Dabei …, Darüber …, Dort …, Deshalb …
  • zeitliche Ordnung: Zunächst …, Zwei Jahre später …, Seitdem …
  • räumliche Ordnung: Im Erdgeschoss …, Gegenüber …, Am Ende des Flurs …

Position 1 knüpft an: Dort steht meist etwas, das der Leser schon kennt. Das Neue folgt weiter hinten.

Beginnen Sie nicht jeden Satz mit dem Subjekt. Ein Verweiswort, eine Zeit- oder eine Ortsangabe auf Position 1 macht den Text flüssiger.

3.

Ungewöhnliche Satzanfänge: Betonung und Kontrast

  • Den Abschlussbericht hat die Kommission bis heute nicht vorgelegt.
  • Überzeugend war die Präsentation nicht, aber sie war solide vorbereitet.
  • Mit so viel Kritik hatte die Intendantin nicht gerechnet.
  • Obwohl die Datenlage dünn ist, hält die Autorin an ihrer These fest.
  • Am Wochenende? Nein, am Wochenende arbeite ich grundsätzlich nicht.

Fast jeder Satzteil kann Position 1 besetzen: ein Objekt, ein Adjektiv, ein Präpositionalobjekt oder ein ganzer Nebensatz. Knüpft dieser Teil nicht einfach an, wirkt er dort stark betont – oft als Kontrast (…, aber …) oder in einer erstaunten Rückfrage. Beim Sprechen liegt der Hauptakzent auf ihm. Solche Anfänge fallen auf: Setzen Sie sie in Texten gezielt ein. Wenn Sie unsicher sind, beginnen Sie lieber mit dem Subjekt oder einer Angabe.

Position 1: betontPosition 2MittelfeldEnde
Den Abschlussberichthatdie Kommission bis heute nichtvorgelegt.
Überzeugendwardie Präsentation nicht.
Mit so viel Kritikhattedie Intendantin nichtgerechnet.
Obwohl die Datenlage dünn ist,hältdie Autorin an ihrer Thesefest.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Ungewöhnlicher Satzteil auf Position 1 = starke Betonung, oft mit Kontrast: Überzeugend war sie nicht, aber solide.

Das konjugierte Verb bleibt an Position 2. Das Subjekt steht dann meist direkt dahinter.

4.

Die Handlung betonen: Gelesen habe ich … · Kochen tue ich …

  • Gelesen habe ich das Gutachten schon, aber noch nicht kommentiert.
  • Absagen wollte die Veranstalterin das Festival auf keinen Fall.
  • Gewonnen hat die Mannschaft zwar, überzeugt hat sie aber nicht.
  • Ernsthaft diskutiert wurde der Vorschlag im Gremium nie.
  • Kochen tue ich unter der Woche kaum – dafür fehlt mir die Zeit.
  • Rauchen tut in unserem Büro zum Glück niemand mehr.

Auch das Verb kann den Satz eröffnen – wenn man die Handlung selbst betonen will, meist im Kontrast. Gibt es einen zweiten Verbteil (Partizip, Infinitiv), rückt er auf Position 1, oft mit einem eng verbundenen Wort (ernsthaft diskutiert). Das konjugierte Verb bleibt an Position 2. Hat der Satz nur ein Verb (Präsens, Präteritum), steht der Infinitiv auf Position 1 und eine Form von tun an Position 2. Diese tun-Form gehört nur in die gesprochene Sprache.

Position 1Position 2MittelfeldEnde
Ichhabedas Gutachten schongelesen.
Gelesenhabeich das Gutachten schon.
Absagenwolltedie Veranstalterin das Festival nicht.
Kochentueich unter der Woche kaum.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Zweiter Verbteil vorhanden: Er rückt nach vorn – Absagen wollte sie das Festival nicht. Nur ein Verb: Infinitiv + tun – Kochen tue ich kaum.

tun + Infinitiv nur im Gespräch. In E-Mails, Berichten und Prüfungstexten wählen Sie die normale Wortstellung.

5.

Was nicht allein auf Position 1 stehen kann

  • Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich kaum entspannt.
  • Das Formular? Ich habe es gestern abgeschickt.
  • Die Gemeinde hat die Ergebnisse der Umfrage bisher nicht veröffentlicht.
  • Die Geschäftsführerin hat sogar eigene Fehler eingeräumt.
  • Der letzte Zug nach Rostock fährt um 23.40 Uhr ab.
  • Sogar die Geschäftsführerin hat eigene Fehler eingeräumt.

Einige Wörter dürfen nicht allein auf Position 1 stehen: nicht, gar nicht, überhaupt nicht; Reflexivpronomen wie sich; es als Akkusativobjekt; Partikeln wie sogar, ja, halt ohne Bezugswort; fast alle trennbaren Präfixe (ab, an, zu …). Zusammen mit ihrem Bezugswort können nicht und die Partikeln aber vorn stehen: Sogar die Geschäftsführerin …, Nicht die Kosten, sondern … (siehe „Position von nicht“). Statt es nimmt man dort das.

Falsch → richtig

  • ✗ Sich hat die Lage kaum entspannt. → ✓ Die Lage hat sich kaum entspannt.
  • ✗ Es habe ich gestern abgeschickt. → ✓ Das habe ich gestern abgeschickt.
  • ✗ Nicht hat die Gemeinde die Ergebnisse veröffentlicht. → ✓ Die Gemeinde hat die Ergebnisse nicht veröffentlicht.
  • ✗ Sogar hat die Geschäftsführerin Fehler eingeräumt. → ✓ Die Geschäftsführerin hat sogar Fehler eingeräumt.
  • ✗ Ab fährt der letzte Zug um 23.40 Uhr. → ✓ Der letzte Zug fährt um 23.40 Uhr ab.

Nie allein auf Position 1: nicht, Reflexivpronomen, es (Akkusativ), Partikeln wie sogar, trennbare Präfixe.

Zwei feste Ausnahmen aus der Schriftsprache: Fest steht, dass … · Hinzu kommt, dass …

Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.