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B2/C1 · Grammatik

Kausale und konzessive Nebensätze

Nach dieser Seite können Sie Gründe mit weil, da und zumal und Gegengründe mit obwohl, obgleich, auch wenn und selbst wenn ausdrücken, sie von denn, deshalb und trotzdem unterscheiden und in formellen Texten wobei und ungeachtet dessen, dass verwenden.

Regeln

1.

Der Grund: weil und da

  • Ich arbeite heute im Homeoffice, weil der Handwerker um zehn kommt.
  • „Warum hast du die Wohnung nicht genommen?“ – „Weil sie keinen Aufzug hat.“
  • Da die Unterlagen unvollständig sind, können wir Ihren Antrag nicht bearbeiten.
  • Da wir uns schon kennen, lasse ich die Vorstellungsrunde aus.
  • Frau Achterberg sagt den Termin ab, weil ihr Sohn Fieber hat.
  • Vergleich: Ich sage ab, denn ich bin krank. · Ich bin krank, deshalb sage ich ab.

weil und da leiten einen Grund ein, das konjugierte Verb rückt ans Ende. weil ist der Normalfall: Der weil-Satz folgt meist dem Hauptsatz, und nur er antwortet allein auf die Frage Warum?. da klingt etwas sachlicher und steht meist vorn: Es nennt einen Grund, den die Leserin schon kennt oder der selbstverständlich ist – typisch für Briefe von Ämtern und Firmen. denn (Position 0) und deshalb (Position 1) verbinden zwei Hauptsätze, siehe „Verbposition in Satzverbindungen“. Mit Nomen: wegen, aufgrund, siehe „Kausale Präpositionen“.

Ein Grund – drei Wortstellungen

  • Nebensatz: Ich sage ab, weil ich krank bin. → Verb am Ende
  • Position 0: Ich sage ab, denn ich bin krank. → normale Wortstellung
  • Position 1: Ich bin krank, deshalb sage ich ab. → Verb direkt danach
  • Vorn mit da: Da ich krank bin, sage ich ab. → Verb, Verb

weil: meist nach dem Hauptsatz, Antwort auf Warum?. da: meist vorn, bekannter Grund. In beiden Fällen: Verb am Ende.

Nicht verwechseln: …, weil ich krank bin – …, denn ich bin krank – …, deshalb sage ich ab.

2.

Ein Grund obendrauf: zumal (C1)

  • Wir sollten das Treffen online machen, zumal die Hälfte des Teams im Ausland sitzt.
  • Ich würde die Wohnung nehmen, zumal die Miete für die Lage erstaunlich niedrig ist.
  • Die Entscheidung fiel ihr schwer, zumal sie die Kolleginnen sehr mochte.
  • Der Bericht wurde kaum beachtet, zumal er kurz vor den Feiertagen erschien.
  • Ein Taxi lohnt sich, zumal wir zu viert sind.
  • Elias bleibt lieber in Graz, weil er dort Freunde hat, zumal seine Eltern in der Nähe wohnen.

zumal bedeutet „besonders weil“ oder „vor allem, da“. Der Satz davor ist schon eine Meinung oder ein Grund; zumal fügt einen zusätzlichen Grund hinzu, der das Argument noch stärker macht. Darum folgt der zumal-Satz immer dem Hauptsatz – Position 1 ist für ihn tabu. Im Gespräch steht er manchmal auch allein als Nachtrag: Zumal es heute regnet. zumal wirkt gehoben und passt gut in Argumentationen und formelle Texte.

weil oder zumal?

  • weil: der Grund – vorn oder hinten möglich.
  • zumal: ein weiterer, oft entscheidender Grund – nur hinten.
  • Typisch: Aussage oder weil-Satz zuerst, dann zumal: …, weil …, zumal …
  • Falsch: Zumal wir zu viert sind, nehmen wir ein Taxi.

zumal = besonders weil: ein Grund obendrauf. Der zumal-Satz steht immer hinter dem Hauptsatz.

Beispiel: Ein Taxi lohnt sich, zumal wir zu viert sind.

3.

Der Gegengrund: obwohl – und trotzdem

  • Obwohl der Kurs schon begonnen hatte, durfte Amira noch einsteigen.
  • Wir haben die Wohnung genommen, obwohl sie im fünften Stock ohne Aufzug liegt.
  • Obgleich die Ergebnisse vorläufig sind, lassen sie einen klaren Trend erkennen.
  • Die Klinik sucht weiter Personal, obschon sie die Gehälter erhöht hat.
  • Die Wohnung liegt im fünften Stock ohne Aufzug, trotzdem haben wir sie genommen.
  • Die Ergebnisse sind vorläufig, dennoch lassen sie einen klaren Trend erkennen.

Ein konzessiver Satz nennt einen Gegengrund: Eigentlich müsste etwas anderes passieren – aber die erwartete Folge bleibt aus. Der Normalfall ist obwohl (Verb am Ende). In gehobenen, meist schriftlichen Texten finden Sie auch obgleich, obschon und selten obzwar – gleiche Bedeutung, gleiche Wortstellung. Dieselbe Idee mit zwei Hauptsätzen: trotzdem oder gehoben dennoch auf Position 1 – dann folgt sofort das Verb. Achtung: Der Gegengrund steht dann im ersten Satz.

GegengrundPosition 1Position 2Ende
Die Wohnung hat keinen Aufzug,trotzdemhabenwirsiegenommen.
Die Wohnung hat keinen Aufzug,dennochhabenwirsiegenommen.
Die Wohnung hat keinen Aufzug,wirhabensietrotzdemgenommen.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

obwohl (gehoben: obgleich, obschon) + Gegengrund, Verb am Ende. trotzdem / dennoch + Folge, Verb direkt danach.

Kein Nebensatz mit trotzdem in der Standardsprache: Trotzdem es regnet, … → Obwohl es regnet, …

4.

auch wenn, selbst wenn: egal, ob … (C1)

  • Auch wenn der Vortrag lang war, hat sich das Zuhören gelohnt.
  • Auch wenn wir uns beeilen, schaffen wir den Zug um 8.12 Uhr nicht mehr.
  • Selbst wenn die Firma mir mehr Geld böte, würde ich nicht nach Dubai gehen.
  • Ich hätte die Stelle nicht angenommen, selbst wenn sie besser bezahlt gewesen wäre.
  • Wenn das Hotel auch einfach war, so war das Frühstück doch hervorragend.
  • So sehr sich die Abteilung auch bemühte, die Frist war nicht zu halten.

auch wenn kann wie obwohl eine Tatsache einräumen. Oft bleibt aber offen, ob der Gegengrund eintritt: Die Folge gilt auf jeden Fall. selbst wenn verstärkt das („sogar dann“), oft mit Konjunktiv 2 für einen gedachten Fall. Nach einem vorderen auch wenn-Satz folgt wie gewohnt das Verb. Gehoben: wenn … auch (oft mit so … doch) und so + Adjektiv + auch; nach dem so … auch-Satz behält der Hauptsatz meist seine eigene Position 1.

Tatsache oder gedachter Fall?

  • obwohl: Der Gegengrund ist Tatsache. Obwohl es regnet, gehen wir los.
  • auch wenn: Tatsache oder offen. Auch wenn es regnet, gehen wir los. (= ob es regnet oder nicht)
  • selbst wenn + Konjunktiv 2: nur gedacht. Selbst wenn es hageln würde, würden wir losgehen.
  • gehoben: Wenn es auch regnete, so … · So kalt es auch war, wir …

auch wenn / selbst wenn = egal, ob …; die Folge gilt trotzdem. Für einen gedachten Fall: Konjunktiv 2.

Selbst wenn ich Zeit hätte, käme ich nicht mit. (Ich habe keine Zeit – aber auch das wäre kein Grund.)

5.

Einschränken und formell einräumen: wobei, ungeachtet dessen, dass (C1)

  • Das Konzept gefällt mir gut, wobei wir über die Kosten noch sprechen müssen.
  • Die Wohnung ist schön hell, wobei die Straße nachts ziemlich laut ist.
  • Der Film hat mich überzeugt, wobei das Ende etwas zu lang war.
  • Ungeachtet dessen, dass die Nachfrage sinkt, investiert der Verlag weiter in gedruckte Zeitschriften.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass die Pilotphase erst im Herbst endet, wurden bereits Verträge geschlossen.
  • Trotz der Tatsache, dass die Wartezeiten lang sind, ist die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten hoch.

wobei schränkt die Aussage davor nachträglich ein: Sie bleibt gültig, aber jetzt kommt ein wichtiger Einwand. Der wobei-Satz meint den ganzen Satz davor, folgt ihm immer und ist typisch für die gesprochene Sprache. ungeachtet dessen, dass und ungeachtet der Tatsache, dass bedeuten „obwohl“, klingen aber sehr formell – Fachtexte, Berichte, Nachrichten. Ähnlich: trotz der Tatsache, dass. Der Nebensatz steht meist vorn; ein Komma steht vor dass.

Register auf einen Blick

  • Gespräch: Das Hotel war super, wobei das WLAN ständig ausfiel.
  • neutral: Obwohl die Nachfrage sinkt, investiert der Verlag weiter.
  • formell: Ungeachtet dessen, dass die Nachfrage sinkt, investiert der Verlag weiter.
  • Komma zweimal: Ungeachtet dessen, dass … sinkt, investiert …

wobei: nachträgliche Einschränkung, nur hinter dem Hauptsatz, eher mündlich.

ungeachtet dessen, dass / ungeachtet der Tatsache, dass = formelles obwohl, Verb am Ende.

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