C1 · Grammatik
Besondere Formen der mündlichen Sprache
Nach dieser Seite können Sie typische Formen der gesprochenen Sprache erkennen und verstehen – Kurzformen, getrennte Frage- und da-Wörter, betontes der/die/das, weil mit Hauptsatz, tun + Infinitiv, am + Infinitiv – und sie in geschriebene Standardsprache übertragen.
Regeln
1.
Kurzformen und Auslassungen: hab, is, ’n, nix …
- Hab’s dir doch gestern gesagt. (= Ich habe es dir doch gestern gesagt.)
- Haste mal ’n Ladekabel für mich? (= Hast du ein Ladekabel für mich?)
- Is noch was Kaffee da? – Nee, leider nix mehr. (= Ist noch etwas Kaffee da? – Nein, leider nichts mehr.)
- Gibt’s hier in der Nähe ’ne Apotheke? (= Gibt es hier in der Nähe eine Apotheke?)
- Bin gleich da, steh noch im Stau. (= Ich bin gleich da, ich stehe noch im Stau.)
- Kommst du morgen zum Teamessen? – Klar. (= Ja, natürlich komme ich.)
- Wir treffen uns aufm Parkplatz hinter der Halle. (= auf dem Parkplatz)
Beim Sprechen werden Wörter kürzer: Endungen fallen weg (hab, steh, is, nich), Pronomen hängen sich ans Verb (hab’s, gibt’s, haste = hast du), Artikel schrumpfen (’n, ’ne, ’nen = ein, eine, einen; aufm = auf dem). Einige Wörter haben eigene Kurzformen: nix, nee, was (= etwas), grad. Außerdem lässt man weg, was die Situation klar macht: das Subjekt am Satzanfang (Bin gleich da.) oder fast den ganzen Satz (Klar.). In Texten schreibt man die vollen Formen und ganze Sätze.
gesprochen → geschrieben
- hab, is, nich, nix, nee, grad → habe, ist, nicht, nichts, nein, gerade
- ’n, ’ne, ’nen → ein, eine, einen · was → etwas
- haste, kannste, willste → hast du, kannst du, willst du
- aufm, inner, vonner → auf dem, in der, von der (regional)
- In lockeren Mails und Chats sind gibt’s und geht’s üblich – in formellen Texten nicht.
Kurzformen verstehen – in Texten volle Formen schreiben: habe, nicht, nichts, einen.
Fehlt beim Sprechen das Subjekt (Bin gleich da.), ergänzen Sie es im Text: Ich bin gleich da.
2.
Getrennte Wörter: Wo kommst du her? · Da weiß ich nichts von.
- Wo kommen Sie ursprünglich her? (= Woher kommen Sie ursprünglich?)
- Wo fliegt ihr im Herbst hin? (= Wohin fliegt ihr im Herbst?)
- Da weiß ich nichts von. (= Davon weiß ich nichts.)
- Da habe ich gerade keinen Kopf für. (= Dafür habe ich gerade keinen Kopf.)
- Wo hast du das Regal mit aufgebaut? (= Womit hast du das Regal aufgebaut?)
- Da wäre ich nie drauf gekommen. (= Darauf wäre ich nie gekommen.)
- Da muss ich erst mal drüber schlafen. (= Darüber muss ich erst einmal schlafen.)
Beim Sprechen – besonders im Norden und in der Mitte Deutschlands – trennt man Frage- und da-Wörter wie ein trennbares Verb: wo oder da steht auf Position 1, her / hin oder die Präposition rückt ans Satzende. Oft wird da sogar doppelt gesagt: Da vorn und drauf / drüber hinten. Im geschriebenen Text bleiben die Wörter zusammen: Woher …? Wohin …? Davon … Mehr zu den da-Wörtern: „Wörter mit da-“.
Wieder zusammensetzen
- Wo … her? → Woher …? · Wo … hin? → Wohin …? · Wo … mit? → Womit …?
- Da … von / für / mit → Davon / Dafür / Damit …
- Doppeltes da: Da … drauf → Darauf … · Da … drüber → Darüber …
- Vor einem Vokal steht ein r: da + auf → darauf, wo + an → woran.
Gesprochen getrennt (Wo … her? Da … von.), geschrieben zusammen: Woher …? Davon …
Das doppelte da (Da … drauf) gibt es nur beim Sprechen.
3.
Betonen und zeigen: der, die, das statt er, sie, es
- Kennst du Herrn Albers? – Nee, den kenne ich nicht. (= Nein, ich kenne ihn nicht.)
- Frau Yıldız? Die ist heute im Homeoffice. (= Sie ist heute im Homeoffice.)
- Der neue Drucker, der macht nur Ärger. (= Der neue Drucker macht nur Ärger.)
- Den Vertrag, den unterschreibe ich so nicht. (= Diesen Vertrag unterschreibe ich so nicht.)
- Die Mappe da, die gehört Herrn Costa. (= Diese Mappe gehört Herrn Costa.)
- Die Schlüssel, das sind meine. (= Die Schlüssel gehören mir.)
- Ich kenne einen Schreiner, der hat so was schon oft gemacht. (= …, der so etwas schon oft gemacht hat.)
Beim Sprechen ersetzt man er, sie, es oft durch der, die, das – besonders auf Position 1. Das betont die Person oder Sache. Häufig nennt man den Satzteil zuerst und nimmt ihn dann mit der, die, das im selben Kasus wieder auf: Den Vertrag, den … Mit sein steht dabei immer das. Ein „zeigendes“ da (die Mappe da) geht nur, wenn man auf etwas zeigen kann. Statt eines Relativsatzes am Satzende hört man oft einen Hauptsatz: …, der hat das gemacht.
Im Text schreibt man …
- Den kenne ich nicht. → Ich kenne ihn nicht.
- Der Drucker, der macht … → Der Drucker macht …
- Die Mappe da, die … → Diese Mappe …
- …, der hat das gemacht. → …, der das gemacht hat. (Verb am Ende)
- Vorsicht: Über Anwesende mit der / die zu sprechen, kann unhöflich klingen.
Gesprochen: Den Vertrag, den unterschreibe ich nicht. – geschrieben: Diesen Vertrag unterschreibe ich nicht.
Hauptsatz statt Relativsatz (…, der hat das gemacht) nur beim Sprechen; im Text steht das Verb am Ende.
4.
weil und obwohl mit Verb auf Position 2 – und Satzteile nach dem Präfix
- Ich nehme heute das Rad, weil – der Bus fährt nicht. (= …, weil der Bus nicht fährt.)
- Ich sage lieber nichts, weil: Das gibt nur Streit. (= …, weil es nur Streit gibt.)
- Wir kommen mit, obwohl – eigentlich sind wir ziemlich müde. (= …, obwohl wir eigentlich ziemlich müde sind.)
- Kommst du mit zum Elternabend? (= Kommst du zum Elternabend mit?)
- Wann rufst du zurück bei der Versicherung? (= Wann rufst du bei der Versicherung zurück?)
- Fang doch schon mal an mit dem Salat. (= Fang doch schon einmal mit dem Salat an.)
Beim Sprechen folgt nach weil und obwohl oft eine kurze Pause, danach ein Hauptsatz: Das Verb steht an Position 2. Mit obwohl + Pause schränkt man das Gesagte nachträglich ein (= aber eigentlich). In geschriebenen Texten gilt das als Fehler: Nach weil und obwohl steht das Verb am Ende. Auch stellt man beim Sprechen gern das trennbare Präfix früher und hängt Satzteile danach an (Kommst du mit zum Elternabend?). Im Text steht das Präfix am Satzende.
Tipp für Texte
- Begründung mit Verb auf Position 2? Dann schreiben Sie denn: …, denn der Bus fährt nicht.
- Oder weil mit Verb am Ende: …, weil der Bus nicht fährt.
- obwohl + Pause bedeutet oft aber: …, aber eigentlich sind wir müde.
- Trennbares Verb: Präfix ans Ende – Kommst du zum Elternabend mit?
weil / obwohl + Verb auf Position 2 nur mündlich – im Text Verb ans Ende (oder denn / aber).
Im Text steht das Präfix am Satzende: Wann rufst du bei der Versicherung zurück?
5.
tun + Infinitiv und am + Infinitiv + sein
- Kochen tut er gern, nur das Aufräumen mag er nicht. (= Er kocht gern, …)
- Verstehen tu ich das schon, aber fair finde ich es nicht. (= Ich verstehe das schon, …)
- Ich tu nur noch schnell die Wäsche aufhängen. (regional; = Ich hänge nur noch schnell die Wäsche auf.)
- Ich bin gerade am Kochen, ruf mich bitte später an. (= Ich koche gerade, …)
- Meine Kollegin ist seit einer Stunde am Telefonieren. (= Sie telefoniert seit einer Stunde.)
- Wir waren gerade am Essen, als der Strom ausfiel. (= Wir waren gerade beim Essen, als …)
tun + Infinitiv: Will man die Handlung betonen (oft im Kontrast), stellt man den Infinitiv auf Position 1; eine Form von tun trägt dann die Personalendung: Kochen tut er gern. Mehr dazu: „Informationsverteilung im Satz“. Regional hört man tun auch ohne Betonung (Ich tu noch aufräumen.). am + Infinitiv + sein: Ich bin am Kochen = Ich koche gerade, die Handlung läuft im Moment. Der Infinitiv wird großgeschrieben. Beide Formen sind sehr verbreitet, in formellen Texten aber unüblich.
gesprochen → geschrieben
- Kochen tut er gern. → Er kocht gern.
- Ich tu noch aufräumen. → Ich räume noch auf.
- Ich bin am Arbeiten. → Ich arbeite gerade.
- Wir waren am Essen, als … → Wir aßen gerade, als … oder Wir waren gerade beim Essen, als …
tun + Infinitiv gehört zur gesprochenen Sprache – im Text: Er kocht gern.
am + Infinitiv + sein = gerade: Ich bin am Kochen. → im Text: Ich koche gerade.
Die Übungen mit sofortigem Feedback finden Sie in der App.