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B2 · Grammar

Andere Bedeutung von Modalverben: Vermutungen über die Gegenwart

Other meanings of modal verbs: assumptions about the presentAfter this page you can express assumptions about the present with muss, müsste, dürfte, kann and könnte and grade them by certainty, tell an assumption from the basic meaning, use kann nicht and muss nicht correctly, and concede a point with mag …, aber.

Rules

1.

Wie sicher sind Sie? Die Skala von muss bis könnte

  • Bei Lea brennt Licht – sie muss zu Hause sein.
  • Das Paket ist am Montag verschickt worden. Es müsste heute ankommen.
  • Die Wohnung liegt mitten im Zentrum – sie dürfte ziemlich teuer sein.
  • Herr Novak ist nicht an seinem Platz. Er wird wohl in der Kantine sein.
  • Frag mal Jonas, er könnte die Telefonnummer haben.
  • Der Drucker druckt nicht. Es kann am Papier liegen.

Modalverben können auch zeigen, wie sicher Sie bei einer Vermutung sind. Sie wissen etwas nicht genau, aber Sie schließen es aus Zeichen oder aus Erfahrung. muss: Sie sind fast sicher – die Zeichen sind klar. müsste: ziemlich sicher, wenn alles normal läuft. dürfte: sehr wahrscheinlich – typisch für Nachrichten und Berichte. wird … wohl: wahrscheinlich. kann / könnte: möglich, aber offen; könnte klingt noch vorsichtiger. Formen: Präsens (muss, kann) oder Konjunktiv 2 (müsste, dürfte, könnte).

Von fast sicher bis vielleicht

  • muss – fast sicher · ≈ bestimmt, sicher
  • müsste – ziemlich sicher, wenn alles normal läuft · ≈ eigentlich, normalerweise
  • dürfte – sehr wahrscheinlich · ≈ vermutlich
  • wird … wohl – wahrscheinlich · ≈ wahrscheinlich
  • kann / könnte – möglich · ≈ vielleicht, möglicherweise

Vermutung über jetzt: muss (fast sicher) – müsste – dürfte – wird wohl – kann / könnte (vielleicht).

Wenn Sie es sicher wissen, brauchen Sie kein Modalverb: Sie ist zu Hause. Mehr zu wird … wohl im Futur-Thema („Vermutung und Zukunft …“).

2.

Vom Adverb zum Modalverb: ist bestimmt … → muss … sein

  • Sie ist bestimmt noch im Meeting. → Sie muss noch im Meeting sein.
  • Der Akku ist vermutlich kaputt. → Der Akku dürfte kaputt sein.
  • Vielleicht hat Herr Lee die Unterlagen. → Herr Lee könnte die Unterlagen haben.
  • Eigentlich ist der Zug um zehn in Mainz. → Der Zug müsste um zehn in Mainz sein.
  • Ich bin ganz sicher, dass die Apotheke heute geöffnet hat. → Die Apotheke muss heute geöffnet haben.
  • Es ist möglich, dass die Brücke gesperrt ist. → Die Brücke kann gesperrt sein.

So wird aus einem Satz mit Adverb eine Vermutung mit Modalverb: Das Adverb (bestimmt, vermutlich, vielleicht) fällt weg. Das Modalverb steht an Position 2 und richtet sich nach dem Subjekt (er dürfte, sie dürften). Das Verb des Satzes geht als Infinitiv ans Ende – sehr oft sein oder haben. Auch Ich bin sicher, dass … und Es ist möglich, dass … werden so zu einem kurzen Hauptsatz. Vermutungen über Vergangenes (Sie muss … gewesen sein) kommen in einem späteren Thema.

Position 1ModalverbMittelfeldInfinitiv
Siemussnoch im Meetingsein.
Der Akkudürftekaputtsein.
Herr Leekönntedie Unterlagenhaben.
Der Zugmüssteum zehn in Mainzsein.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Adverb weg, Modalverb an Position 2, Infinitiv ans Ende: Er ist bestimmt krank. → Er muss krank sein.

Die Form passt zum Subjekt: es dürfte, die Preise dürften. Konjunktiv 2 mit Umlaut: könnte, müsste, dürfte.

3.

Pflicht oder Vermutung? Eine Form, zwei Bedeutungen

  • Paula muss heute bis acht arbeiten – sie hat Spätdienst.
  • Paula geht nicht ans Telefon. Sie muss noch bei der Arbeit sein.
  • Mein Nachbar kann sehr gut Klavier spielen – er hat es zwölf Jahre gelernt.
  • Der Kollege antwortet seit Tagen nicht. Er könnte im Urlaub sein.
  • Kinder unter zwölf dürfen hier nur mit Erwachsenen schwimmen.
  • Das Wasser dürfte jetzt etwa 22 Grad haben.

Viele Modalverben haben zwei Seiten. In der Grundbedeutung sagen sie etwas über die Welt: Pflicht, Fähigkeit, Erlaubnis. Als Vermutung zeigen sie, was die Sprecherin denkt. Ein Test hilft: Passt es ist nötig / er ist fähig / es ist erlaubt? Dann ist es die Grundbedeutung. Passt bestimmt / vermutlich / vielleicht? Dann ist es eine Vermutung. Typisch für Vermutungen sind Zustände (sein, haben, liegen, wissen) und Zeichen im Kontext (sie geht nicht ans Telefon). Die Grundbedeutungen übt das Thema „Modalverben in der Grundbedeutung“.

Der Umschreibungstest

  • Sie muss bis acht arbeiten. → Es ist nötig. (Pflicht)
  • Sie muss noch bei der Arbeit sein. → Sie ist bestimmt noch bei der Arbeit. (Vermutung)
  • Er kann Klavier spielen. → Er ist dazu fähig. (Fähigkeit)
  • Er könnte im Urlaub sein. → Vielleicht ist er im Urlaub. (Vermutung)
  • Das Wasser dürfte 22 Grad haben. → Es hat vermutlich 22 Grad. (Vermutung)

Grundbedeutung: Pflicht, Fähigkeit, Erlaubnis. Vermutung: bestimmt / vermutlich / vielleicht passt als Umschreibung.

könnte kann auch eine nur gedachte Möglichkeit sein: Mit mehr Zeit könnte ich Klavier lernen. – das ist keine Vermutung.

4.

Verneinte Vermutungen: kann nicht – muss nicht – dürfte nicht

  • Eine Stromrechnung über 900 Euro für einen Monat? Das kann nicht stimmen.
  • Sie ist doch gerade erst losgefahren – sie kann noch nicht in Köln sein.
  • Das teuerste Angebot muss nicht das beste sein.
  • Er antwortet nicht? Das muss nichts Schlimmes bedeuten – vielleicht schläft er.
  • Die Umleitung dürfte kein großes Problem sein.
  • Bei diesem Regen dürfte im Freibad heute nicht viel los sein.

Bei verneinten Vermutungen ist Vorsicht nötig. kann nicht heißt: Das ist unmöglich – Sie sind sicher, dass etwas nicht so ist. Es ist also das Gegenteil von muss. muss nicht heißt dagegen nur: nicht unbedingt – es kann so sein, aber auch anders. dürfte nicht / dürfte kein heißt: wahrscheinlich nicht.

Verneinte Vermutungen

  • kann nicht = sicher nicht, unmöglich: Das kann nicht stimmen.
  • muss nicht = nicht unbedingt: Das muss nicht stimmen.
  • dürfte nicht / kein = wahrscheinlich nicht: Das dürfte kein Problem sein.
  • Gegenteil von Er muss zu Hause sein. → Er kann nicht zu Hause sein.

Sicher nicht: kann nicht. Nicht unbedingt: muss nicht. Wahrscheinlich nicht: dürfte nicht / kein.

Das Gegenteil von muss (fast sicher) ist kann nicht – nicht muss nicht.

5.

Etwas einräumen: Das mag sein, aber …

  • Das mag sein, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache.
  • Die Wohnung mag klein sein, aber die Lage ist perfekt.
  • Der Vorschlag mag auf den ersten Blick teuer wirken, langfristig spart er aber Geld.
  • Ihr Einwand mag berechtigt sein, doch wir müssen heute entscheiden.
  • Das Verfahren mag kompliziert klingen; in der Praxis dauert es nur zehn Minuten.

In dieser Bedeutung drückt mögen keine Vorliebe aus. Sie geben zu, dass etwas vielleicht stimmt – und danach kommt Ihr Gegenargument mit aber, doch oder trotzdem. Diese Bedeutung ist typisch für Diskussionen, Kommentare und formelle Texte. Im Gespräch hört man vor allem den festen Ausdruck Das mag sein, aber … Die Form richtet sich nach dem Subjekt: es mag, sie mögen.

Position 1magMittelfeldInfinitivGegenargument
Die Wohnungmagkleinsein,aber die Lage ist perfekt.
Der Vorschlagmagauf den ersten Blick teuerwirken,langfristig spart er aber Geld.
Dasmagsein,aber die Zahlen sprechen dagegen.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Einräumen: X mag … sein, aber … = Vielleicht stimmt das – aber wichtiger ist etwas anderes.

Vorliebe steht meist mit Nomen (Ich mag Krimis.). Einräumendes mag steht mit Infinitiv und einem aber oder doch.

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