C1 · Grammar
Funktionsverbgefüge 2
Noun-verb collocations 2After this page you can distinguish active, process and state meanings of noun-verb collocations (in Gang bringen / kommen / sein), use fixed verb pairs such as stellen – stehen, form a collocation as an alternative to the passive and decide when a collocation or a simple verb fits better.
Rules
1.
Ein Nomen, drei Perspektiven: in Gang bringen – kommen – sein
- Ein Bericht in der Lokalpresse hat die Verhandlungen wieder in Gang gebracht. (aktiv)
- Erst nach dem Bericht sind die Verhandlungen wieder in Gang gekommen. (Vorgang)
- Die Verhandlungen sind seit Wochen in Gang. (Zustand)
- Die kurzfristige Absage des Hauptredners brachte die Veranstalter in Verlegenheit. (aktiv)
- Durch die Absage gerieten die Veranstalter in Verlegenheit. (Vorgang, ungewollt)
- Ein neuer Onlinehändler setzt die kleinen Buchläden unter Druck. → Die kleinen Buchläden stehen unter Druck.
- Wer bei Glatteis zu schnell fährt, bringt andere in Gefahr – und gerät selbst in Gefahr.
Viele FVG gibt es mit verschiedenen Funktionsverben. Das Nomen bleibt, das Verb zeigt die Perspektive. Aktiv: Jemand oder etwas bewirkt eine Veränderung (bringen, setzen, versetzen). Vorgang: Etwas verändert sich, der Auslöser ist unwichtig (kommen, geraten, gelangen). Zustand: So ist es gerade (sein, stehen, sich befinden). geraten heißt zusätzlich: Es passiert ungewollt, meist mit negativen Folgen.
Aktiv – Vorgang – Zustand
- aktiv: jemanden in Verlegenheit bringen · etwas in Bewegung setzen · jemanden in Sorge versetzen
- Vorgang: in Verlegenheit kommen · in Bewegung geraten · in Sorge geraten
- Zustand: in Verlegenheit sein · in Bewegung sein · in Sorge sein
- geraten = ungewollt, oft negativ: in Not, in Schwierigkeiten, in einen Konflikt geraten
Gleiches Nomen, anderes Verb, andere Perspektive: in Gang bringen (aktiv) – in Gang kommen (Vorgang) – in Gang sein (Zustand).
Nur die aktive Variante hat ein Akkusativobjekt: Sie bringt das Projekt in Gang. – Das Projekt kommt in Gang.
2.
Feste Verbpaare: stellen – stehen, setzen – stehen, geben – finden
- Der Vereinsvorstand stellt den Haushaltsplan am Montag zur Diskussion. → Der Haushaltsplan steht am Montag zur Diskussion.
- Die Bibliothek stellt den Studierenden zwanzig Laptops zur Verfügung. → Den Studierenden stehen zwanzig Laptops zur Verfügung.
- Die Gemeinde stellt die alte Mühle unter Denkmalschutz. → Die alte Mühle steht unter Denkmalschutz.
- Die Kantine stellt täglich drei Gerichte zur Wahl. → Täglich stehen drei Gerichte zur Wahl.
- Die enge Frist setzt das Planungsteam unter Zeitdruck. → Das Planungsteam steht unter Zeitdruck.
- Der Betriebsrat gibt dem Schichtmodell seine Zustimmung. → Das Schichtmodell findet die Zustimmung des Betriebsrats.
Viele aktive FVG haben einen festen Partner mit demselben Nomen. Das wichtigste Paar ist stellen (aktiv) – stehen (Zustand): zur Diskussion, zur Verfügung, zur Wahl, unter Schutz stellen / stehen. Ähnlich: unter Druck setzen – unter Druck stehen, Zustimmung geben – Zustimmung finden. Beim Wechsel wird das Akkusativobjekt zum Subjekt. Ein Dativobjekt bleibt: Den Studierenden stehen Laptops zur Verfügung.
Aktiv → passiv: feste Paare
- stellen → stehen: zur Diskussion, zur Verfügung, zur Wahl, unter Strafe, unter Schutz
- setzen → stehen / sein: unter Druck setzen → unter Druck stehen · außer Kraft setzen → außer Kraft sein
- bringen → kommen: zur Sprache, zum Abschluss, zur Anwendung, in Gang
- geben / leisten → finden / erhalten: Zustimmung, Unterstützung, Hilfe
stellen = jemand macht etwas verfügbar oder möglich; stehen = so ist es: Wir stellen Ihnen ein Auto zur Verfügung. → Ihnen steht ein Auto zur Verfügung.
Aktiv → passiv: Das Akkusativobjekt wird zum Subjekt, der Dativ bleibt Dativ.
3.
FVG als Alternative zum Passiv: zur Anwendung kommen
- Das neue Prüfverfahren kommt ab Januar in allen Laboren zur Anwendung. (= wird angewendet)
- Die Studie stieß in der Fachwelt auf deutliche Kritik. (= wurde deutlich kritisiert)
- Der Fall kommt im März zur Verhandlung. (= wird verhandelt)
- Nach zähen Gesprächen gelangte der Vertrag zum Abschluss. (= wurde abgeschlossen)
- Die Daten der Umfrage befinden sich noch in Bearbeitung. (= werden noch bearbeitet)
- Die Bewerberin erhielt nach dem zweiten Gespräch eine Zusage. (= ihr wurde zugesagt)
Mit Vorgangs- und Zustandsverben wird ein FVG zur Alternative zum Passiv: Das Subjekt ist die Sache, mit der etwas geschieht; wer handelt, bleibt offen. Das Verfahren kommt zur Anwendung = Das Verfahren wird angewendet. Typisch sind kommen, gelangen (Vorgang), sich befinden (Zustand) und finden, erhalten, stoßen auf (Reaktion anderer). Die Grundformen kennen Sie aus „Formen mit Passivbedeutung“. Hier üben Sie das Umformen.
Aktiv → FVG mit Passivbedeutung
- Das Labor wendet das Verfahren an. → Das Verfahren kommt zur Anwendung.
- Die Fachwelt kritisiert die Studie. → Die Studie stößt auf Kritik.
- Das Team bearbeitet die Daten noch. → Die Daten befinden sich noch in Bearbeitung.
- Ein Adverb wird oft zum Adjektiv: heftig kritisieren → auf heftige Kritik stoßen.
Akkusativobjekt → Subjekt, wer handelt, fällt weg: Man schließt den Vertrag ab. → Der Vertrag gelangt zum Abschluss.
Die Zeitform bleibt: wurde angewendet → kam zur Anwendung; ist angewendet worden → ist zur Anwendung gekommen.
4.
Verb oder FVG? Bedeutung, Register, Festigkeit
- Die Werkstatt hat uns die Ersatzteile extra in Rechnung gestellt. (= Geld dafür verlangt) – Mit so hohen Kosten haben wir nicht gerechnet. (= erwartet)
- Die Sanitäter leisteten den Verletzten sofort Erste Hilfe. – Kannst du mir kurz beim Tragen helfen?
- Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Geschäftsführer Anklage erhoben. (Gerichtssprache)
- Die Verordnung tritt am 1. Juli in Kraft. (kein einfaches Verb)
- Für die gut bezahlte Stelle nehmen viele Pendler lange Fahrzeiten in Kauf. (fest: kein Artikel, kein Adjektiv)
- Der Ausschuss hat eine schwierige, aber kluge Entscheidung getroffen. (veränderbar: mit Adjektiv)
- Hiermit setzen wir Sie in Kenntnis, dass Ihr Vertrag zum 30. Juni endet. (= informieren Sie; sehr formell)
Ein FVG ist nicht immer nur eine längere Form des Verbs. 1. Die Bedeutung kann anders sein: in Rechnung stellen (Geld verlangen) ≠ rechnen mit (erwarten). 2. Das Register kann anders sein: Hilfe leisten ist formell, im Alltag sagt man helfen. 3. Manchmal gibt es kein einfaches Verb: in Kraft treten. 4. FVG sind unterschiedlich fest: in Kauf nehmen lässt sich nicht erweitern, eine (kluge) Entscheidung treffen schon.
Wo FVG zu Hause sind
- Verwaltung: einen Antrag stellen, eine Genehmigung erteilen, jemanden in Kenntnis setzen
- Gericht: Anklage erheben, ein Urteil fällen, Berufung einlegen
- Berichte und Wissenschaft: eine Untersuchung durchführen, zu dem Schluss kommen, in Betracht ziehen
- Alltag: lieber das einfache Verb – Kannst du mir helfen? statt Kannst du mir Hilfe leisten?
FVG klingen sachlich und offiziell. In Briefen an Behörden und in Berichten passen sie gut, im Gespräch mit Freunden wirken sie steif.
Prüfen Sie: gleiche Bedeutung? gleiches Register? Gibt es überhaupt ein einfaches Verb?
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