B2/C1 · Grammar
Nebensatz mit dass und Infinitiv mit zu
dass clause and infinitive with zuAfter this page you can decide when a dass clause can become an infinitive clause with zu, keep time and passive correctly (… informiert worden zu sein), say what you are doing right now with gerade dabei sein, tell zu from um … zu and (C1) build sentences like Ich bitte Sie, … zu ….
Rules
1.
Gleiches Subjekt → Infinitiv mit zu, anderes Subjekt → dass
- Ich hoffe, dass ich den Zug noch erreiche. → Ich hoffe, den Zug noch zu erreichen.
- Frau Petrović hat beschlossen, sich selbstständig zu machen.
- Ich lege Wert darauf, dass mein Team früh informiert wird.
- Kemal freut sich, dass seine Tochter einen Studienplatz bekommen hat.
- Es ist sinnvoll, Belege sofort abzuheften. (= dass man Belege sofort abheftet)
- Es fällt mir schwer, vor sieben aufzustehen.
- Dass du an meinen Geburtstag gedacht hast, freut mich sehr.
Ein dass-Satz kann zum Infinitivsatz werden, wenn sein Subjekt dieselbe Person ist wie im Hauptsatz: dass und Subjekt fallen weg, das Verb steht mit zu am Ende. Nach es ist + Adjektiv ist die gedachte Person man oder die Person im Dativ (Es fällt mir schwer). Bei einem anderen Subjekt, bei es gibt, es regnet und nach wissen geht nur dass. Nach glauben, meinen, behaupten ist zu nur bei gleichem Subjekt möglich und klingt eher schriftlich. Beide Satzarten können auch vorn stehen.
Infinitivsatz möglich?
- gleiches Subjekt → ja: Wir haben vor, im Mai umzuziehen.
- anderes Subjekt → nein: Wir hoffen, dass die Vermieterin zustimmt.
- es gibt, es regnet im Nebensatz → nein: Ich vermute, dass es heute Nacht friert.
- nach wissen → nein: Ich weiß, dass ich recht habe.
- nach glauben, meinen, behaupten → nur bei gleichem Subjekt, eher schriftlich: Er behauptet, nichts bemerkt zu haben.
Gleiche Person im Haupt- und Nebensatz → oft Infinitiv mit zu. Andere Person → dass.
Nur dass: nach wissen und bei es gibt / es regnet: Ich weiß, dass es keine Lösung gibt.
2.
Ich bitte dich, … zu …: Das Objekt handelt (C1)
- Die Ärztin rät mir, mehr Wasser zu trinken. (= Ich soll mehr Wasser trinken.)
- Ich bitte Sie, das Formular bis Montag zurückzuschicken.
- Der Vermieter hat uns verboten, im Hof Fahrräder abzustellen.
- Erinnerst du mich bitte daran, die Blumen zu gießen?
- Das Team hat Jana überredet, die Präsentation zu übernehmen.
- Aber: Ich verspreche dir, pünktlich zu sein. (= Ich bin pünktlich.)
Bei Verben wie bitten, auffordern, raten, empfehlen, erlauben, verbieten, warnen, erinnern, überreden führt nicht das Subjekt, sondern das Objekt des Hauptsatzes die Handlung im Infinitivsatz aus: Ich bitte dich, mich anzurufen = Du sollst mich anrufen. Hier ist der Infinitivsatz die normale Form; ein dass-Satz klingt oft schwerfällig. Bei versprechen und anbieten handelt dagegen das Subjekt: Ich biete dir an, dich abzuholen = Ich hole dich ab.
Wer handelt im Infinitivsatz?
- das Objekt: bitten, auffordern, raten, empfehlen, erlauben, verbieten, warnen, erinnern, überreden
- → Wir empfehlen Ihnen, früh zu buchen. (Sie buchen.)
- das Subjekt: versprechen, anbieten, drohen
- → Er bietet uns an, die Kosten zu übernehmen. (Er übernimmt sie.)
bitten, raten, verbieten, erinnern …: Das Objekt ist die Person, die handelt: Ich rate dir, zu kündigen. (Du kündigst.)
versprechen, anbieten: Das Subjekt handelt: Ich verspreche dir, zu helfen. (Ich helfe.)
3.
Vorher und passiv: angerufen zu haben, gefragt zu werden
- Ich bin froh, dass ich gestern noch angerufen habe. → Ich bin froh, gestern noch angerufen zu haben.
- Leon ist stolz, die ganze Strecke allein gefahren zu sein.
- Niemand mag es, in Besprechungen ständig unterbrochen zu werden.
- Es ist ein gutes Gefühl, von Kollegen um Rat gefragt zu werden.
- Ich finde es gut, flexibel arbeiten zu können.
- Die Mieter kritisieren, nicht rechtzeitig über die Bauarbeiten informiert worden zu sein. (C1)
Beim Umformen behält der Infinitivsatz die Zeit und die Form (Aktiv / Passiv) des dass-Satzes. Gleichzeitig, aktiv: zu fragen. Vorher, aktiv: gefragt zu haben oder gefahren zu sein – wie im Thema „Infinitiv mit und ohne zu“. Gleichzeitig, passiv: gefragt zu werden. Vorher, passiv (C1): gefragt worden zu sein. Mit Modalverb: arbeiten zu können. zu steht immer vor dem letzten Verb.
dass-Satz → Infinitivsatz
- dass ich frage → zu fragen
- dass ich gefragt habe → gefragt zu haben · dass ich gefahren bin → gefahren zu sein
- dass ich gefragt werde → gefragt zu werden
- dass ich gefragt worden bin → gefragt worden zu sein (C1)
- dass ich fragen kann → fragen zu können
Die Zeit bleibt: vorher → Partizip II + zu haben / zu sein. Passiv bleibt Passiv: gefragt zu werden.
C1: vorher und passiv → informiert worden zu sein.
4.
Mittendrin: gerade dabei sein, … zu … – und im Begriff sein (C1)
- Einen Moment, ich bin gerade dabei, die Präsentation hochzuladen.
- Die Stadt ist zurzeit dabei, alle Schulen mit WLAN auszustatten.
- Als das Telefon klingelte, war ich gerade dabei, Spinat zu putzen.
- Unser Team ist schon seit Wochen dabei, die Abläufe zu digitalisieren.
- Das Unternehmen ist im Begriff, einen zweiten Standort in Leipzig zu eröffnen. (C1)
- Ich war schon im Begriff, das Büro zu verlassen, als der Kunde anrief. (C1)
gerade / schon dabei sein + Infinitiv mit zu sagt: Jemand tut etwas genau in diesem Moment oder steckt mitten in einem längeren Prozess – ähnlich wie die englische -ing-Form. Ein dass-Satz ist hier nicht möglich. In der Vergangenheit unterbricht oft ein als-Satz die Handlung. Gehoben (C1): im Begriff sein, etwas zu tun = kurz davor sein, etwas zu tun – die Handlung hat noch nicht richtig begonnen.
dabei oder im Begriff?
- gerade dabei sein = mittendrin: Ich bin gerade dabei, den Bericht zu schreiben.
- schon / seit … dabei sein = längerer Prozess: Wir sind seit Mai dabei, die Wohnung zu renovieren.
- im Begriff sein (gehoben) = kurz davor: Sie war im Begriff zu gehen.
Ich bin gerade dabei, … zu … = Ich tue es jetzt gerade. Immer mit Infinitiv, nie mit dass.
C1: im Begriff sein, … zu … = kurz davor sein, gleich anfangen: Er war im Begriff aufzulegen.
5.
Ergänzung oder Ziel? zu oder um … zu – und das Komma
- Ich versuche, jeden Tag zehn Minuten zu meditieren.
- Ich stehe eine Stunde früher auf, um vor der Arbeit Sport zu machen.
- Es ist schwierig, auf dem Land ohne Auto zu leben.
- Viele ziehen in die Stadt, um näher am Arbeitsplatz zu wohnen.
- Mariam hat die Chance, ein Jahr in Montréal zu studieren.
- Mariam nimmt einen Kredit auf, um ein Jahr in Montréal zu studieren.
Ob zu oder um … zu, entscheidet der Hauptsatz. Braucht er eine Ergänzung – ein Verb wie versuchen, hoffen, ein Nomen wie Chance, Angst oder es ist + Adjektiv –, steht zu. Ist der Hauptsatz vollständig und nennt der Infinitivsatz ein Ziel (Frage: Wozu?), steht um … zu; mehr in „Finale und modale …“. Komma: vor dass und vor um … zu immer; vor zu nach einem Nomen oder Hinweiswort (es, daran) auch, sonst ist es freiwillig. Am sichersten: immer ein Komma.
Der Wozu-Test
- Ich versuche, … – Was versuchst du? → Ergänzung → zu
- Ich stehe früher auf, … – Wozu? → Ziel → um … zu
- gleicher Infinitivsatz, anderer Hauptsatz: die Chance, … zu studieren ↔ einen Kredit aufnehmen, um … zu studieren
- Komma: dass und um … zu immer · zu nach Nomen, es, daran … immer · sonst freiwillig
Fehlt dem Hauptsatz etwas? → zu. Ist er vollständig und es geht um ein Ziel? → um … zu.
Vor dass und um … zu steht immer ein Komma – beim Infinitiv mit zu ist es fast nie falsch.
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