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C1 · Grammar

Wann ist Passiv möglich, wann nicht?

When the passive is possible and when it is notAfter this page you can decide whether a verb forms a passive, correct impossible passive sentences and still write a passive by choosing a suitable verb.

Rules

1.

Grundregel: Ein Passiv braucht einen Handelnden

  • Die Gutachterin prüft die Statik. → Die Statik wird geprüft.
  • Das Labor wertet die Proben aus. → Die Proben werden ausgewertet.
  • Die Nachbarn feiern bis drei Uhr morgens. → Es wird bis drei Uhr morgens gefeiert.
  • Die Feuerwehr hilft den Anwohnern. → Den Anwohnern wird geholfen.
  • Die Jury entscheidet über die Preise. → Über die Preise wird entschieden.
  • Das Publikum pfeift. → Es wird gepfiffen.

Ein Passiv rückt die Handlung in den Vordergrund und den Handelnden in den Hintergrund. Das geht nur, wenn es im Aktivsatz einen Handelnden gibt: ein Subjekt, das etwas tut oder bewirkt. Hat das Verb ein Akkusativobjekt, wird dieses zum Subjekt – das Passiv ist dann in allen Personen möglich (ich werde geprüft, du wirst geprüft …). Ohne Akkusativobjekt bleibt nur das Passiv ohne Subjekt (→ „Passivsätze ohne Subjekt“). Wann das Passiv stilistisch passt, zeigt „Passiv in allen Zeiten“.

Drei Fälle

  • Handelnder + Akkusativobjekt → Passiv mit Subjekt: Die Proben werden ausgewertet.
  • Handelnder ohne Akkusativobjekt → Passiv ohne Subjekt: Es wird gefeiert. · Den Anwohnern wird geholfen.
  • kein Handelnder → kein Passiv: Die Wohnung hat drei Zimmer. (Regeln 2–4)

Erst fragen: Tut das Subjekt etwas? Nur dann ist ein Passiv möglich.

Handelnder + Akkusativobjekt → Passiv mit Subjekt. Handelnder ohne Akkusativobjekt → Passiv ohne Subjekt.

2.

haben, bekommen, dauern, wachsen: Niemand handelt

  • Unsere Nachbarn besitzen zwei Ferienwohnungen an der Ostsee.
  • Frau Nowak hat eine Einladung zur Preisverleihung bekommen.
  • In der Altstadt gibt es kaum Parkplätze.
  • Seit dem Umzug wohnt Familie Haddad am Stadtrand.
  • Die Sanierung des Rathauses dauert voraussichtlich zwei Jahre.
  • Der Onlinehandel ist in den letzten Jahren stark gewachsen.
  • In den Bergen schneit es schon seit Mittwoch.

Bei vielen Verben ist das Subjekt kein Handelnder. Es hat oder bekommt etwas (haben, besitzen, bekommen, erhalten, kriegen, auch es gibt). Es befindet sich in einem Zustand (wohnen, dauern, bleiben, liegen). Es verändert sich von selbst (wachsen, sterben, einschlafen – meist mit Perfekt auf sein), oder etwas geschieht einfach (passieren, regnen, schneien). Niemand tut hier etwas – deshalb gibt es kein Passiv, weder mit noch ohne Subjekt.

Typische Verben ohne Passiv

  • Besitz und Empfang: haben, besitzen, gehören, bekommen, erhalten, kriegen, es gibt
  • Zustand: wohnen, dauern, bleiben, sein, liegen
  • Veränderung von selbst: wachsen, sterben, einschlafen, verblühen
  • Geschehen und Wetter: passieren, geschehen, gelingen, regnen, schneien

Wer etwas hat, bekommt oder in einem Zustand ist, handelt nicht → kein Passiv. Eine Einladung wurde von ihr bekommen ist falsch.

Auch es gibt, Veränderungen von selbst und Wetterverben haben kein Passiv: Es wird geschneit gibt es nicht.

3.

Wissen, Können, Empfinden: kennen, können, gefallen

  • Kaum jemand kennt die neue Schulleiterin schon persönlich.
  • Die Ärztin wusste sofort, was zu tun war.
  • Ich habe erst gestern von der Umstrukturierung erfahren.
  • Herr Demir kann fließend Japanisch und Portugiesisch.
  • Das Thema interessiert mich schon lange.
  • Die neue Wohnung gefällt uns sehr.

Auch Verben, die Wissen ausdrücken (wissen, kennen, kennenlernen, erfahren), und Modalverben ohne zweites Verb (Sie kann drei Sprachen.) haben kein Passiv: Das Subjekt tut nichts mit dem Objekt, es hat ein Wissen oder eine Fähigkeit. Ähnlich ist es beim Empfinden: Das Thema interessiert mich. Die Person im Akkusativ erlebt etwas, die Sache ist nur der Auslöser. Dasselbe gilt für Dativverben wie gefallen, schmecken, fehlen. helfen, danken, raten dagegen sind Handlungen: Mir wurde geraten, …

Kein Passiv – aber eine andere Lösung

  • Alle kennen die Regel. → Die Regel ist allgemein bekannt.
  • Wir haben es zu spät erfahren. → Wir wurden zu spät informiert.
  • Sie lernte das Team kennen. → Ihr wurde das Team vorgestellt.
  • Empfinden ohne Passiv: freuen, interessieren, wundern (eine Sache als Subjekt) · gefallen, schmecken, fehlen

Wissen und Können sind keine Handlungen: wissen, kennen, kennenlernen, erfahren, können → kein Passiv.

Gefühle und Geschmack: Das freut mich. Das gefällt mir. → kein Passiv. Handlungen mit Dativ: Mir wurde geholfen. → möglich.

4.

Akkusativ, aber kein echtes Objekt: Körperteil, sich, feste Wendung

  • Eine Studentin hob die Hand und meldete sich zu Wort.
  • Die Zeugin schloss kurz die Augen.
  • Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.
  • Ich stelle mir den Ablauf etwas anders vor.
  • Nach drei Stunden Warten verlor Herr Alvarez die Geduld.
  • Das neue Tablet kostet fast 800 Euro.

Nicht jeder Akkusativ ist ein Objekt, mit dem jemand etwas tut. Ein eigener Körperteil (die Hand heben, die Augen schließen) gehört quasi zum Subjekt – Die Hand wurde von ihr gehoben klingt absurd. Reflexive Verben haben kein Passiv – egal, ob sich im Akkusativ steht (sich freuen) oder im Dativ (sich etwas vorstellen). In festen Wendungen mit übertragener Bedeutung (die Geduld verlieren) ist das Nomen kein Gegenstand. Und Maß-, Preis- und Zeitangaben (kosten, wiegen, umfassen) werden nie Subjekt.

Akkusativ – aber kein Subjekt im Passiv

  • eigener Körperteil: Sie schloss die Augen. · Er hob die Hand.
  • reflexiv: Wir freuen uns. · Ich stelle mir das vor.
  • feste Wendung: die Geduld verlieren · den Faden verlieren
  • Maß, Preis, Zeit: Das Tablet kostet 800 Euro. · Der Kurs umfasst zwölf Termine.

Körperteil, sich, feste Wendung, Maßangabe: Der Akkusativ sieht aus wie ein Objekt, wird aber nie Subjekt eines Passivsatzes.

Reflexive Verben: kein Passiv. Nur im Gespräch als strenge Aufforderung: Jetzt wird sich beeilt! (→ „Passivsätze ohne Subjekt“)

5.

Die Bedeutung entscheidet: wohnen – bewohnen

  • Die Stürmerin hat den Ball perfekt getroffen. (Passiv möglich: Der Ball wurde perfekt getroffen.)
  • Ich habe gestern zufällig eine alte Schulfreundin getroffen. (kein Passiv)
  • In der alten Villa wohnt niemand mehr. (kein Passiv)
  • Die alte Villa wird seit Jahren nicht mehr bewohnt.
  • Sonntags wird bei uns oft gewandert. (Aktivität)
  • Die Verspätung ärgert die Fahrgäste. (kein Passiv)

Ob ein Passiv möglich ist, hängt von der Bedeutung im Satz ab. treffen im Sport ist eine Handlung, treffen als „zufällig begegnen“ nicht. ärgern mit einer Person als Subjekt kann Absicht sein (Der Hund wird von den Kindern geärgert.), mit einer Sache als Subjekt nicht. Bewegungsverben mit sein-Perfekt bilden ein Passiv ohne Subjekt, wenn jemand aktiv etwas tut (Sonntags wird gewandert.) – wachsen oder einschlafen nie. Oft hilft ein verwandtes Verb: wohnen → bewohnen.

Gleiches Wort – anderes Ergebnis

  • treffen: Der Ball wurde gut getroffen. · aber: zufällig eine Bekannte treffen → kein Passiv
  • ärgern: Der Hund wird von den Kindern geärgert. · aber: Die Verspätung ärgert mich. → kein Passiv
  • wohnen → kein Passiv · bewohnen: Das Haus wird nicht mehr bewohnt.
  • kennen → kein Passiv · erkennen: Das Problem wurde früh erkannt.

Nicht das Wort entscheidet, sondern seine Bedeutung: Handlung → Passiv möglich; Zustand, Zufall oder Gefühl → kein Passiv.

Kein Passiv? Oft hat ein verwandtes Verb eines: wohnen → bewohnen, kennen → erkennen, bekommen → überreichen.

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