C1 · Grammar
Verben mit Genitiv
Verbs with the genitiveAfter this page you can use verbs with a genitive object such as gedenken, bedürfen and sich annehmen and verbs with accusative and genitive such as beschuldigen and verdächtigen in the active and passive, form the genitive correctly and choose suitable everyday alternatives.
Rules
1.
Verben mit Genitivobjekt: gedenken, bedürfen, sich annehmen …
- Zum 100. Geburtstag gedenkt die Universität ihrer ersten Professorin.
- Diese Entscheidung bedarf keiner weiteren Begründung.
- Die neue Ombudsfrau nimmt sich der Anliegen der Patientinnen und Patienten an.
- In ihrem Vortrag bediente sich die Referentin zahlreicher Grafiken.
- Bei der Abstimmung im Betriebsrat enthielten sich zwei Mitglieder der Stimme.
- Bitte vergewissern Sie sich der Vollständigkeit Ihrer Unterlagen.
Einige Verben verlangen ein Objekt im Genitiv (Wessen?). Viele davon sind reflexiv: sich annehmen, sich bedienen, sich enthalten, sich vergewissern, sich erfreuen, sich rühmen, sich bemächtigen; ohne sich stehen vor allem gedenken und bedürfen. Subjekt und Genitivobjekt können Personen oder Sachen sein. Diese Verben klingen gehoben. Welche Verben einen Dativ, einen Akkusativ oder beides verlangen, zeigt das vorige Thema dieser Gruppe.
Was bedeuten sie?
- gedenken = feierlich an jemanden oder etwas denken, oft an Verstorbene
- bedürfen = brauchen, nötig haben · sich annehmen = sich um jemanden oder etwas kümmern
- sich bedienen = benutzen · sich vergewissern = genau prüfen
- sich der Stimme enthalten = bei einer Abstimmung weder Ja noch Nein sagen
Wessen? → Genitiv: Sie gedenkt ihres Vaters. · Das bedarf einer Erklärung.
Viele Genitivverben sind reflexiv: sich einer Sache annehmen, bedienen, enthalten, vergewissern.
2.
Die Formen: des neuen Plans, der neuen Regel
- Das Team gedenkt des verstorbenen Kollegen.
- Das Projekt bedarf eines neuen Zeitplans.
- Die Ärztin vergewisserte sich der richtigen Dosierung.
- Das Hotel rühmt sich seiner ruhigen Lage.
- Die Agentur bediente sich gefälschter Bewertungen.
- Die Ausstellung erfreute sich großen Interesses.
Artikelwörter enden im Genitiv auf -es (m, n) oder -er (f, Pl): des, eines, seines – der, einer, seiner. Maskuline und neutrale Nomen bekommen -(e)s (des Plans, des Gesetzes), Nomen der n-Deklination -(e)n (des Kollegen); feminine Nomen und Plural bleiben ohne Endung. Nach Artikelwörtern endet das Adjektiv auf -en. Ohne Artikelwort: -er bei f und Pl (gefälschter Bewertungen), aber -en bei m und n, weil das Nomen schon -s hat (großen Interesses).
Genitiv auf einen Blick
- maskulin: des / eines neuen Plans · des Kollegen (n-Deklination)
- neutral: des / eines neuen Gesetzes
- feminin: der / einer neuen Regel
- Plural: der neuen Regeln · ohne Artikel: neuer Regeln
Genitiv: des / eines … Nomen + -(e)s (m, n) · der / einer … Nomen ohne Endung (f, Pl).
Adjektiv nach Artikelwort: immer -en – des neuen Plans, der neuen Regel.
3.
Person im Akkusativ, Sache im Genitiv: beschuldigen, verdächtigen, entheben
- Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Bauunternehmer der Bestechung.
- Die Steuerfahndung verdächtigt ein Ehepaar aus Bremen der Steuerhinterziehung.
- Erst eine DNA-Analyse überführte ihn der Tat.
- Der Aufsichtsrat enthob den Finanzvorstand seines Postens.
- In der 80. Minute verwies der Schiedsrichter den Kapitän des Feldes.
- Ein Hackerangriff hat die Firma ihrer wichtigsten Daten beraubt.
Einige Verben haben zwei Objekte: eine Person im Akkusativ und eine Sache im Genitiv. Sie stammen meist aus der Sprache von Justiz, Polizei und Verwaltung. Bei beschuldigen, verdächtigen, anklagen, bezichtigen, überführen nennt der Genitiv die Tat. Bei entheben, entbinden, berauben, verweisen nennt er das, was die Person verliert. Viele Verbindungen sind fest: jemanden seines Amtes entheben, jemanden des Feldes verweisen. Das Genitivobjekt steht meist direkt vor dem Verbende.
Zwei Gruppen
- Genitiv = die Tat: jemanden der Untreue beschuldigen · verdächtigen · anklagen · bezichtigen · überführen
- Genitiv = der Verlust: jemanden seines Postens entheben · seiner Schweigepflicht entbinden · seiner Rechte berauben · des Saales verweisen
Wen? → Person im Akkusativ · Wessen? → Sache im Genitiv: Man verdächtigt ihn der Brandstiftung.
Feste Verbindungen lernen Sie am besten als Ganzes: seines Amtes entheben, des Feldes verweisen.
4.
Oft im Passiv: Der Genitiv bleibt
- Das Ehepaar wird der Steuerhinterziehung verdächtigt.
- Der Bauunternehmer wurde der Bestechung beschuldigt.
- Die Vereinsvorsitzende ist mit sofortiger Wirkung ihres Amtes enthoben worden.
- Der Kapitän wurde in der 80. Minute des Feldes verwiesen.
- Durch das Hochwasser wurden viele Familien ihrer Existenzgrundlage beraubt.
- Wessen wird die Firma beschuldigt? – Der Preisabsprache.
Diese Verben stehen besonders oft im Passiv – typisch für Nachrichten und Polizeiberichte. Die Person im Akkusativ wird zum Subjekt (Nominativ), das Genitivobjekt bleibt unverändert. Wer anklagt oder verdächtigt, wird meist nicht genannt. Fragt man nach dem Genitivobjekt, beginnt die Frage mit Wessen. Die Passivformen wiederholen Sie im Thema „Passiv in allen Zeiten“.
| Position 1 | Position 2 | Mittelfeld | Ende |
|---|---|---|---|
| Die Fahndung | verdächtigt | das Ehepaar der Steuerhinterziehung. | |
| Das Ehepaar | wird | der Steuerhinterziehung | verdächtigt. |
| Der Vorstand | hat | die Vorsitzende ihres Amtes | enthoben. |
| Die Vorsitzende | ist | ihres Amtes | enthoben worden. |
Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb
Aktiv → Passiv: Der Akkusativ wird Subjekt, der Genitiv bleibt: Er wird der Untreue beschuldigt.
Frage nach dem Genitivobjekt: Wessen wird er beschuldigt?
5.
Gehoben oder alltäglich? Die Alternativen
- Ich entsinne mich jenes Abends genau. → Ich erinnere mich genau an jenen Abend.
- Die Reparatur bedarf eines Fachmanns. → Für die Reparatur braucht man einen Fachmann.
- Er schämte sich seiner Ungeduld. → Er schämte sich für seine Ungeduld.
- Das Team nahm sich des Problems an. → Das Team kümmerte sich um das Problem.
- Man beschuldigt ihn der Untreue. → Man wirft ihm Untreue vor.
- Der Wochenmarkt erfreut sich großer Beliebtheit. → Der Wochenmarkt ist sehr beliebt.
Verben mit Genitiv gehören zur gehobenen Schriftsprache: Recht, Verwaltung, Presse, Reden, Literatur. Im Gespräch klingen sie steif oder altmodisch. Dort verwendet man Verben mit Akkusativ oder mit Präposition: gedenken → denken an, bedürfen → brauchen, sich annehmen → sich um etwas kümmern, sich bedienen → benutzen, sich schämen + Genitiv → sich schämen für. Statt beschuldigen sagt man oft vorwerfen – dann steht die Person im Dativ. Auch einige Adjektive haben einen Genitiv: sich einer Sache bewusst sein.
Gehoben → alltäglich
- gedenken → denken an + Akk, erinnern an + Akk
- sich entsinnen, sich erinnern + Gen → sich erinnern an + Akk
- sich erfreuen (großer Beliebtheit, bester Gesundheit) → sehr beliebt sein, gesund sein
- sich vergewissern → nachprüfen, sich überzeugen
- jemanden einer Sache beschuldigen → jemandem etwas vorwerfen
Genitivverben = gehobene Schriftsprache. Im Gespräch: Akkusativ oder Präposition – an die Opfer denken, eine Unterschrift brauchen.
Vorsicht beim Wechsel: ihn der Bestechung beschuldigen, aber ihm Bestechung vorwerfen.
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