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C1 · Grammar

Wiedergabe von Aufforderungen, Gerüchten und Selbstaussagen

Reporting requests, rumours and claims about oneselfAfter this page you can report requests, instructions and bans with möge, solle, müsse and dürfe nicht, pass on rumours with sollen and claims people make about themselves with wollen – also about the past (soll … gewesen sein, will … gesehen haben).

Rules

1.

Bitte, Aufforderung, Befehl: möge – solle – müsse

  • Frau Lindqvist bat ihren Nachbarn, er möge während ihres Urlaubs die Blumen gießen.
  • Die Patientin bat die Ärztin, sie möge ihr den Befund schriftlich schicken.
  • Der Projektleiter sagte zu Jonas, er solle den Bericht bis Freitag fertigstellen.
  • Die Apothekerin erklärte mir, ich solle die Tabletten nach dem Essen nehmen.
  • Der Einsatzleiter rief, alle müssten sofort das Gebäude verlassen.
  • Die Bauleiterin warnte die Besucher, niemand dürfe die Baustelle ohne Helm betreten.

Im Gespräch steht eine Aufforderung oft im Imperativ: Gießen Sie bitte die Blumen! In der Wiedergabe verschwindet der Imperativ; an seine Stelle tritt ein Modalverb, im Bericht meist im Konjunktiv 1. Welches, hängt davon ab, wie höflich oder dringend die Aufforderung war: mögen für eine höfliche Bitte (gehoben, oft nach bitten), sollen für eine neutrale Aufforderung, müssen für einen dringenden Befehl, nicht dürfen für ein Verbot. Höfliche Fragen (Würden Sie …?) gibt man genauso wieder.

Wie höflich? Wie dringend?

  • möge – höfliche Bitte · oft nach bitten · gehoben
  • solle – neutrale Aufforderung, Anweisung, Auftrag
  • müsse – dringender Befehl, keine Wahl
  • dürfe nicht / niemand dürfe – Verbot

Kein Imperativ in der Wiedergabe. Höfliche Bitte → möge, Aufforderung → solle, dringender Befehl → müsse, Verbot → dürfe nicht.

Das einleitende Verb gibt einen Hinweis: bitten → oft möge; sagen, auffordern, anweisen → solle; befehlen, rufen, warnen → müsse oder dürfe nicht.

2.

Formen und Satzbau: ich solle, sie sollten – oder kurz mit zu

  • Herr Okafor sagte, ich solle ihn morgen früh zurückrufen.
  • Die Kundin schrieb, wir sollten ihr die Unterlagen per Post schicken.
  • Der Arzt meinte, dass ich mich zwei Wochen schonen solle.
  • Die Gastgeberin bat die Gäste, sie möchten im Wohnzimmer Platz nehmen.
  • Meine Nachbarin bat mich, ihr Paket anzunehmen.
  • Die Stadtwerke fordern alle Haushalte auf, Wasser zu sparen.
  • Mündlich klingt es oft so: Sie hat gesagt, ich soll sie anrufen.

Das Modalverb steht im Konjunktiv 1: ich / er / sie solle, möge, müsse, dürfe. Wo er wie der Indikativ aussieht (wir / sie sollen), nimmt man den Konjunktiv 2: sollten, müssten, dürften; bei mögen sind mögen und möchten üblich. Die Pronomen wechseln in die Sicht der berichtenden Person: „Rufen Sie mich an!“ → Er sagte, ich solle ihn anrufen. Nach bitten, auffordern, raten geht es kürzer mit dem zu-Infinitiv, ohne Modalverb. Mündlich hört man auch soll. Mehr im Thema „Indirekte Rede und Konjunktiv 1“.

Die Formen auf einen Blick

  • ich / er / sie / man: solle · möge · müsse · dürfe
  • wir / sie / Sie: sollten · müssten · dürften · mögen oder möchten
  • ohne dass: Er sagte, ich solle ihn anrufen. · mit dass: Er sagte, dass ich ihn anrufen solle.
  • mit zu: Er bat mich, ihn anzurufen.

Singular: solle, möge, müsse, dürfe. Plural: sollten, müssten, dürften. Mit dass steht das Modalverb am Ende.

Nach bitten, auffordern, raten geht es kürzer: Sie bat mich, das Paket anzunehmen. – dann ohne Modalverb.

3.

Gerüchte und Meldungen: Sie soll … = Man sagt, dass sie …

  • Die neue Kollegin soll fünf Sprachen sprechen.
  • Nach Angaben der Polizei soll der Täter etwa 30 Jahre alt sein.
  • Das Medikament soll kaum Nebenwirkungen haben.
  • Am Stadtrand soll ein neues Klinikum entstehen.
  • Die Mieten in diesem Viertel sollen bald deutlich steigen.
  • Der Hersteller soll mit einem Konkurrenten über eine Fusion verhandeln.

sollen + Infinitiv kann auch zeigen: Ich habe das gehört oder gelesen, garantiere aber nicht, dass es stimmt. Die Information stammt von anderen – aus den Medien, von Bekannten oder aus einer ungenannten Quelle. Der Satz ersetzt also Man sagt, dass … oder angeblich – typisch für Nachrichten, Polizeiberichte und den Flurfunk im Büro. soll steht hier im Indikativ, passend zum Subjekt. Achtung: Er soll morgen anrufen kann auch ein Auftrag sein („Modalverben in der Grundbedeutung“). Der Kontext entscheidet.

Position 1sollenMittelfeldInfinitiv
Der Tätersolletwa 30 Jahre altsein.
Die Mietensollenbald deutlichsteigen.
Am Stadtrandsollein neues Klinikumentstehen.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Gerücht oder Meldung ohne Garantie: X soll + Infinitiv = Man sagt / Es heißt, dass X …

Hier steht soll im Indikativ, passend zum Subjekt: Die Mieten sollen steigen. Ob Gerücht oder Auftrag, zeigt der Kontext.

4.

Was jemand über sich selbst behauptet: Er will …

  • Der Anrufer will von der Bank sein, aber die Nummer ist unbekannt.
  • Der Handwerker will schon seit einer Stunde unterwegs sein.
  • Der Bewerber will fließend Japanisch können.
  • Unser Vermieter will für die Reparatur keine Zeit haben.
  • Mein Schwager will es immer besser wissen als die Fachleute.
  • Frau Ito will mit dem Geschäftsführer verwandt sein.

wollen + Infinitiv kann wiedergeben, was eine Person über sich selbst sagt: Der Handwerker sagt, er sei schon unterwegs. → Er will schon unterwegs sein. Die Form zeigt deutliche Distanz: Ich bezweifle, dass das stimmt. Typisch ist sie in Berichten über Zeugen und Angeklagte, bei Reklamationen und in ironischen Kommentaren. Achtung: Er will Japanisch lernen ist eine Absicht. Eine Selbstaussage erkennen Sie am Kontext, oft an sein, haben, können, wissen – und an der Vergangenheitsform (Regel 5).

soll oder will? Wer ist die Quelle?

  • Andere erzählen es: Frau Ito soll mit dem Geschäftsführer verwandt sein.
  • Sie selbst sagt es: Frau Ito will mit dem Geschäftsführer verwandt sein.
  • Absicht, keine Selbstaussage: Frau Ito will nächstes Jahr ein Fernstudium beginnen.

Selbstaussage mit Zweifel: X will + Infinitiv = X behauptet, dass er / sie …

Wer ist die Quelle? Andere → soll. Die Person selbst → will.

5.

Über Vergangenes: soll … gewesen sein, will … gesehen haben

  • Der Zeuge will den Unfall von seinem Balkon aus gesehen haben.
  • Die Täter sollen durch ein Kellerfenster eingestiegen sein.
  • Das Gemälde soll jahrzehntelang auf einem Dachboden gelegen haben.
  • Frau Demir will die Rechnung schon im März bezahlt haben.
  • Bei dem Hackerangriff sollen Tausende Kundendaten gestohlen worden sein.
  • Die Polizei sucht eine Frau, die den Zusammenstoß aus der Nähe beobachtet haben soll.

Für Vergangenes folgt auf sollen oder wollen der Infinitiv Perfekt: Partizip 2 + haben oder sein – wie im Perfekt des Verbs: er hat gesehen → will gesehen haben; sie sind eingestiegen → sollen eingestiegen sein. Passiv: gestohlen worden sein. Das Modalverb bleibt im Präsens, denn das Gerücht oder die Behauptung gilt jetzt; sollte / wollte wäre ein früherer Auftrag oder eine frühere Absicht. Im Nebensatz steht das Modalverb ganz am Ende: …, die … beobachtet haben soll.

Position 1soll / willMittelfeldInfinitiv Perfekt
Der Zeugewillden Unfall von seinem Balkon ausgesehen haben.
Die Tätersollendurch ein Kellerfenstereingestiegen sein.
Das Gemäldesolljahrzehntelang auf einem Dachbodengelegen haben.
Bei dem AngriffsollenTausende Kundendatengestohlen worden sein.

Unterstrichen = Subjekt · fett = konjugiertes Verb

Vergangenes: soll / will (Präsens) + Partizip 2 + haben oder sein – wie im Perfekt: will gesehen haben, soll eingestiegen sein.

Nicht sollte / wollte + Infinitiv: Das wäre ein früherer Auftrag oder eine frühere Absicht.

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